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Ferdinand erreicht die päpstliche Anerkennung Maximilians 611
den über die Absicht ausdrücken, von seinem Sohn etwas erpressen zu wollen,
was man weder ihm selbst noch seinen Vorgängern abverlangt habe275. Das war
ein schärferer Ton. Angesichts dieser Fakten und zeitgenössischen Urteile sollte
man die Bemerkung Ferdinands zu Maximilian nicht überbewerten276, er sei bei
den strittigen Konzilsproblemen Morone in der Ausdrucksweise entgegenge-
kommen, um den Papst nicht zu erbittern, weil das in der Approbationsfrage
weitere Schwierigkeiten hätte provozieren können277.
Die Entschlossenheit Ferdinands ist in Rom verkannt worden. Aufgrund der
Berichte Morones über das Entgegenkommen des Kaisers in den die Durchfüh-
rung des Konzils betreffenden Punkten glaubte Pius IV., er werde in der ande-
ren Streitfrage leichter zum Ziel kommen, wenn er anstatt mit dem widerspen-
stigen Orator des Kaisers mit diesem persönlich verhandeln lasse278. Delfino,
der die Aufgabe übernehmen sollte, erhielt eine Instruktion, in der alle von
Arco vorgebrachten Argumente beiseite geschoben waren und sämtliche Kri-
tikpunkte an Maximilians Wahl aufrechterhalten wurden279. Was die Kurie an
Nachlaß anbot, war aus Sicht der Habsburger ungenügend: Sie wollte zwar in
der Eidesformel auf das umstrittene Wort „oboedientia“ verzichten, nicht aber
in der öffentlichen Ansprache, die der königliche Gesandte vor dem Konsisto-
rium zu halten hatte. Seit der Düpierung Scipio Arcos im Frühjahr 1560 rea-
gierte man in Wien in diesem Punkt geradezu allergisch. Als Delfino im Lauf
der Gespräche den Vorfall zugunsten der päpstlichen Forderung anführte, be-
kam er die Verärgerung deutlich zu spüren und zu hören, Kaiser Ferdinand
habe niemals den Gebrauch dieses Wortes gebilligt oder approbiert280.
Es nützte auch nichts, daß Morone auf Wunsch des Papstes Ferdinand brief-
lich zu überzeugen versuchte, von Maximilian werde wirklich nicht mehr ver-
langt, als was zur Wahrung der Autorität des Heiligen Stuhles in diesen schwe-
ren Zeiten unumgänglich sei, und letztlich gehe es doch nur um Worte281. Fer-
dinand dachte nicht daran, von seinem Standpunkt abzugehen, und antwortete,
er wolle die Sache zu einem Ende bringen, „qui cum ratione et aequitate con-
gruat“282. Einer etwaigen Intervention Philipps II. zugunsten des Papstes wurde
vorgebeugt, indem Gúzman einige einschlägige Dokumente mitgegeben wur-
den, ohne mit ihm die Sachfrage weiter zu erörtern283; bis der spanische König
275 F. an Maximilian, 14.6.1563: „...aliquid extorqueatur, quod neque a nobis neque a divis praede-
cessoribus nostris Romanorum regibus praesertim ex inclita nostra familia Austriaca procreatis
solitem fuerit praestare“ (HHStA Wien, Rom, Varia 3; diese Passage nicht bei Sickel, S. 537); vgl.
J. Schmid, Kaiserwahl, S. 174
276 Wie etwa Ganzer, Konzil, S. 38
277 Sickel, Konzil, S. 518: F. an Max., 2.6.1563
278 Rill, Arco, S. 31; NB II 3, S. 345
279 NB II 3, S. 334ff: Weisung v. 8.6.1563
280 NB II 3, S. 369 u. S. 401 (Berichte Delfinos v. 20.7. bzw. 14.8.1563); J. Schmid, Kaiserwahl, S. 37
Anm. 1
281 Morone an F., 17.6.1563 (NB II 3, S. 349)
282 HHStA Wien, RK RelA 11 Konv. Juni, fol 145r-146r: F. an Morone, 23.6.1563 (gedruckt bei
Constant, Légation, S. 180f)
283 Ebda, Spanien, Dipl. Korr. 2, fol 27r-28r: Memoriale für Gúzman v. 7.7.1563 (Konz.); CDI 98,
S. 453ff: F. an Philipp, 11.7.1563.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien