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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 612 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im Reich612 darauf reagieren konnte, würden viele Wochen verstreichen. Delfino wurde es verwehrt, mit dem Kaiser persönlich verhandeln zu dürfen. Er wurde an Seld verwiesen, erhielt nach dessen Referat im Geheimen Rat den Bescheid, der Kai- ser habe nicht so viele Wirrungen erwartet, und hatte sich zu gedulden, bis Fer- dinand mit seinem Hof von Innsbruck wieder nach Wien umgezogen war284. Dort war meistens Zasius der Gesprächspartner, der die Verhandlungen in ständigem Benehmen mit dem Geheimen Rat führte und sich dem Nuntius gewachsen zeigte285. Man kam zu keiner Annäherung der Standpunkte, denn Ferdinand und seine Mitarbeiter blieben dabei, keine Neuerung zu akzeptie- ren286. Ihr letztes Angebot war, eine Abschrift des von Maximilian in Frankfurt ge- leisteten Eides nach Rom überbringen zu lassen und dem Gesandten einen Re- detext mitzugeben, in dem die Ergebenheit Maximilians mit mehreren Worten ausgedrückt wurde, die umstrittene „oboedientia“ jedoch fehlte287. Damit wur- de eine Variante aufgegriffen, die Arco unmittelbar vor der Verlegung der Ge- spräche an den Kaiserhof gemeldet hatte, wonach der Papst die Vorlage des Wahldekrets der Kurfürsten und des von Maximilian in Frankfurt geleisteten Eides verlangen wollte; Ferdinands erster Kommentar dazu war gewesen, er sei nicht gesonnen, von der bisherigen Position abzugehen, doch jene Dokumente könne man ruhig vorzeigen, denn auf Übereinstimmung mit dem Hergebrach- ten habe er damals geachtet288. Die kaiserlichen Räte suchten Delfino zu über- zeugen, daß ihr Angebot alles Erforderliche enthalte und für den Heiligen Stuhl günstiger sei als alle kurialen Vorschläge. Zasius erklärte mit allem Nachdruck, die Entscheidung des Kaisers sei unwiderruflich, daß an diesen Texten nichts mehr geändert werden dürfe289. Bemerkenswert ist eine Äußerung Selds dazu, weil sie neben Delfino auch Morone, der davon erfuhr, sehr beeindruckt hat: Wenn Maximilian jetzt den bei der Kaiserkrönung üblichen Eid leisten solle (das war zwischendurch diskutiert worden), bedeute das praktisch so viel, als ob er schon gekrönt sei, mit einer Romfahrt des Königs brauche man dann nicht mehr zu rechnen290. Im August schienen die Verhandlungen auf dem toten Punkt angelangt. Un- beeindruckt von Delfinos Zwischenberichten verteidigte Borromeo weiterhin alle Forderungen an Maximilian, die angesichts der protestantischen Angriffe auf die Autorität des Papstes zu deren Stabilisierung notwendig seien; überdies dürfe der Kaiser überhaupt nur dann mit der Konfirmation seines Sohnes rech- 284 „Mtas S. non expectabat tot ambages“ (HHStA Wien, RHRP 20b, Eintrag zum 21.6.1563, zitiert NB II 3, S. 406 Anm. 3). 285 Ebda, S. 407, Anm 1 u. 2; vgl. J. Schmid, Kaiserwahl, S. 176f. Die Meinungsverschiedenheiten unter den kaiserlichen Räten hat Zasius in seinem Schreiben an Herzog Albrecht v. 14.7.1563 (Goetz, Beiträge, S. 264 Anm. 1) vermutlich übertrieben. 286 „...la Mta Ces. dice, di non voler che in tempo suo si facciano novità...“ (NB II 3, S. 394). 287 Ebda, S. 408: Bericht Delfinos v. 14.8.1563 288 Arcos Meldung (v. 5.6.1563) bei Sickel, Konzil, S. 533; dazu F. an Maximilian, 20.6.1563 (HHStA Wien, Rom, Varia 3, Konv. 1563, fol 76r/v) 289 NB II 3, S. 408f 290 Ebda, S. 403 u. S. 418 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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