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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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KAPITEL 10 KAISER FERDINAND I. IM EUROPÄISCHEN KRÄFTE SPIEL: „Außenpolitische“ Belastungen und Aktivitäten Vorbemerkung Wenn im Folgenden von „Außenpolitik“ Ferdinands I. gesprochen wird, so geschieht das in dem Bewußtsein, daß der Begriff für die Kaiserjahre Ferdi- nands durchaus noch problematisch, jedoch mangels Alternativen unersetzlich ist1. Zur Orientierung – bei vorsichtiger Anwendung – brauchbar ist folgende von politologischer Seite präsentierte Umschreibung der Aufgaben von Außen- politik: „Sicherstellung der territorialen Integrität“ durch Vermeidung der Notwendigkeit, sich militärisch verteidigen zu müssen, sei es durch Herbeifüh- rung und Pflege möglichst spannungsarmer Beziehungen zu den benachbarten Mächten mit Hilfe von Verträgen und Abkommen, sei es durch Gebietserweite- rung, sofern dabei eine Stabilisierung erreicht werden kann2. In hohem Maße für Ferdinand I. als Kaiser gültig ist die für das spätere Mittelalter getroffene Feststellung, Außenpolitik sei damals „normalerweise etwas Dynastisches“ gewesen und Außenpolitik des Reiches „im Normalfall dynastische Politik seiner führenden Herren ..., jedenfalls nicht ‘Außenpolitik’ des Reiches an sich“3. Schon wegen der exponierten Lage seiner Erblande und erst recht des von ihm hinzugewonnenen Ungarn im Südosten ließen und lassen sich die In- teressen „des Reiches“ und die des Dynasten Ferdinand nicht säuberlich tren- nen. Von „Ferdinands Außenpolitik“ zu reden ist auch darum nicht unproble- matisch, weil der Kaiser in allen bedeutenden Fragen, die man dem Bereich der Außenpolitik zuzurechnen pflegt, soweit das Reich direkt oder indirekt tangiert wurde, an die Zustimmung der Kurfürsten gebunden war, die aber ja keines- wegs ständig für Beratungen zur Verfügung standen. Dabei ist zu beachten, daß die Wahlkapitulation ihn verpflichtete, verlorenes Reichsgut wieder einzubrin- gen, aber Gewalt konnte er zu diesem Zweck ohne Einverständnis der Kurfür- sten nicht anwenden. Nachdem Karl V. mit seiner Abreise nach Spanien im September 1556 die politische Bühne verlassen hatte, war Ferdinand in Europa der am längsten regierende Herrscher, doch waren die internationalen Beziehungen bisher nicht sein Feld gewesen. Für Ferdinands Frühzeit als Erzherzog von Österreich hat Gerhard Rill konstatiert, „authentische Prinzipien der Außenpolitik fehlen gänzlich“4. Es wird zu prüfen sein, ob sich für seine Kaiserzeit mehr erkennen läßt als ein allgemeines Interesse an „Ausschaltung oder Minderung systembe- 1 Vgl. Rill, Fürst, S. 11 2 Krippendorff, S. 192 3 Moraw, Landesgeschichte, S. 183 4 Rill, Humanismus, S. 570 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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