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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 635 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Südostpolitik 635 setzen könne. Der Brief des Sultans sollte ferner beweisen, daß Isabella und ihr Sohn trotz aller gegenteiligen Bemühungen Sigismund Augusts doch an der Pforte intrigiert hätten; der Polenkönig sollte also gegen seine Verwandten ein- genommen werden. Als Gegenaktion sollte er nun möglichst schnell an den Sultan schreiben, er habe die Vermittlung zwischen den Zapolya und König Ferdinand übernommen; der Sultan möge diese Verhandlungen nicht durch feindliche Maßnahmen gegen Ferdinand stören, es werde sich dann erweisen, daß eine Intervention nicht gerechtfertigt sei. Das war der Kernpunkt der Stra- tegie Ferdinands, die mit Busbecq abgesprochen war. Die abschließende dicke Schmeichelei, Sigismund August werde sich mit dieser die gefährlichen Pläne des Sultans abwehrenden Aktion das Lob aller Gutgesinnten in der Christen- heit verdienen, ist gleichwohl auch ein Indiz für die Bedeutung, die Ferdinand diesem persönlichen Appell beigelegt hat, obwohl die bisherigen Erfahrungen das Vertrauen eigentlich nicht rechtfertigten. Als flankierende Maßnahme er- suchte er außerdem die polnische Königswitwe Bona Sforza, die Mutter von Isabella und Sigismund August, in seinem Sinne auf ihre Tochter einzuwir- ken128. Indessen versagte sich Sigismund August der Einbindung in Ferdinands Süd- ostpolitik mit der mageren Begründung, er könne dem Sultan nicht schreiben, weil er nur durch Gesandte mit ihm verkehre, und wenn jener erfahre, daß er sich in den Zwist mit Isabella eingeschaltet habe, werde das Ferdinands Sache schaden; eine Stellungnahme zur Verlagerung der Verhandlungen nach Wien lehnte er vorerst ab129. Königin Bona antwortete freundlich, aber unverbind- lich130. Damit war Ferdinands Strategie gescheitert, ehe seine Gesandten in Kon- stantinopel mit ihrer Werbung ein Fiasko erlitten, denn sie wurden gar nicht zum Sultan vorgelassen, sondern in Arrest genommen, weil man an der Pforte ihre Angebote als ganz ungenügend bewertete131. Als Ferdinand davon erfuhr, gab er umgehend das Signal zu einem kontrollierten Rückzug in Raten. In der Antwort an die Gesandten gestand er ein, die vom Polenkönig erstrebte Unter- stützung nicht erreicht zu haben, und erteilte nun die Weisung, wenn anders der Frieden für das übrige Ungarn nicht zu bekommen sei, Siebenbürgen preis- zugeben, nach Möglichkeit aber eine Reihe von befestigten Plätzen im Lande für Habsburg zu retten und nur schrittweise zurückzustecken132. Sein Nachge- ben begründete er mit der für ihn enttäuschenden Abfallbewegung in Sieben- bürgen, die dort seit Weihnachten unaufhaltsam um sich griff133. In einer weite- ren Weisung vom 27. März bekräftigte er seine Absicht, die Restitution Johann 128 Ebda, fol 161r-162r: F. an Bona, Wien, 12.11.1555 (Konz.) 129 Ebda, fol 174r/v: Sigismund August an F., Wilna, 8.12.1555; vgl. Zivier, S. 536f 130 Ebda, fol 176r/v: Bona an F., Warschau, 20.12.1555 131 Busbecq, S. 110ff = Huussen, S. 99f, v. d. Steinen, S. 79f. Die Übersetzung der vier berühmten Briefe Busbecqs aus der Türkei ins Deutsche von W. von den Steinen ist lückenhaft, vollständig dagegen die von Huussen ins Niederländische. 132 Laszlo, S. 181ff: Weisung Ferdinands v. 19.3.1556 133 Huber, Verhandlungen, S. 39 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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