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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 647 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Südostpolitik 647 mal sich die militärische Situation zugunsten der Habsburger gestaltete231. Als der polnische Gesandte Cromer, der ihm ein neues Vermittlungsangebot seines Königs unterbreiten sollte, in seinem Vortrag von Zapolya als erwähltem König von Ungarn sprach, empfand der Kaiser das als einen unerhörten Affront, nahm zur Sache nicht Stellung und erklärte zornig, nach den letzten Siegen seiner Truppen sei es unter seiner Würde, jenem Menschen entgegenzukommen232. In seiner schriftlichen Antwort an den König bestand er auf den vorjährigen Be- dingungen einschließlich des Verzichtes Zapolyas auf den Königstitel und zwei zuletzt umkämpfte Bezirke, wobei er als Trumpf ausspielte, von einer Überlas- sung an jenen sei in den Verhandlungen mit dem Sultan keine Rede gewesen, er habe also Handlungsfreiheit233. Allein die bevorstehenden Staatsakte zur Siche- rung der Nachfolge Maximilians – die böhmische Krönung und der Kurfür- stentag in Frankfurt – ließen es geraten erscheinen, ein Arrangement mit Zapo- lya zu treffen, um dieses Jahr vor Überraschungen in Ungarn sicher zu sein, zumal der Frieden mit dem Sultan greifbar nahe war. Ferdinand und Maximili- an kamen überein, wegen der schlechten Erfahrungen mit Sigismund August als Vermittler statt der Polen einige ungarische Magnaten einzuschalten234. Im April beriet der Geheime Rat über Maßnahmen, falls in Ungarn kein Waffen- stillstand zustandekäme235. Selbst als Ende Mai in Prag schon die Ratifizierung des Vertrages mit der Pforte auf der Tagesordnung stand, war Ferdinand noch entschlossen, unter gewissen Umständen Siebenbürgen auch unter Einsatz von Truppen in seine Gewalt zu bringen, damit es nicht von den Türken besetzt werde236. Kurz danach erhielt er von Maximilian die Nachricht, daß Johann Sigismund Zapolya die Bedingungen für den Waffenstillstand angenommen hatte237. – Am 21. Mai 1562 lag dem Geheimen Rat erstmals der von Busbecq akzep- tierte Vertragsentwurf vor; er wurde nach Einholung der Meinung Maximilians am 1. Juni genehmigt238. Insgesamt hat es drei Jahre gedauert, bis beide Seiten den Vertrag angenommen haben, dessen Grundzüge schon im Sommer 1559 festgestanden hatten. Busbecq war kein geringes Risiko eingegangen, als er mit Ferdinands Billigung die Sache verzögert hatte; nach dem Sieg bei Djerba ver- 231 „...copiis nostris contra exercitum filii Regis Joannis victoriam concedere atque res iam sunt in alio statu quam antea fuerant“ (HHStA Wien, Polonica 11 Konv. 1562, fol 45r/v: F. an Maximi- lian, 21.3.1562). 232 Ebda, fol 54r-55v: F. an Maximilian, Prag, 25.3.1562 (Konz.). Es handelt sich um einen offiziel- len, im geheimen Rat besprochenen Bericht (ebda, RHRP 20b, 24.3.1562). 233 Ebda, Polonica 11, Konv. 1562, fol 73r-74r: F. an Sigismund August, Prag, 7.4.1562 (Kopie). Sauermann wurde entsprechend instruiert (ebda, fol 76r-77r). 234 Vgl. die Briefe v. 31.3., 6.4. und 9.4. 1562 bei Moser, Wahlkapitulation, S. 728ff, 743ff, 761ff. Das Schreiben Maximilians (Original in HHStA Wien, RK WuKA 3, fol 340r-343v) ist v. 6.4.1562 (nicht 16.4.). 235 HHStA Wien, RHRP 20b, 12.4.1562 236 Ebda, fol 147r/v: F. an Maximilian, 29.5.1562 237 Ebda, fol 165r: Postskript zur Weisung an Sauermann v. 20.6.1562; vgl. die Angaben bei Holtz- mann, S. 408 Anm. 1. Am 2.7.1562 informierte Seld Herzog Albrecht, Zapolya habe wider Er- warten alle Bedingungen akzeptiert (BHStA München, KÄA 4307, fol 450r-451r, eigh.). 238 HHStA Wien, RHRP 20b (vgl. den Bericht Lunas v. 21.5.1562 in CDI 98, S. 331); weitere Protokolleintragungen zum 26.5. und 1.6.1562. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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