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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen
Kräftespiel660
schlossen, die Reichsacht über Genua zu verhängen und die Restitution des
Markgrafen zu erzwingen337, da erreichte der endlich in Genua erschienene
Gesandte Philipps die Räumung Finales338. Doch gab sich Ferdinand damit
nicht zufrieden, sondern bestand auf einer förmlichen Abbitte der Genuesen
sowie uneingeschränkter Anerkennung seiner Rechtsauffassung, daß Genua
zum Reichsgut (zur „Camera“ des Reiches) gehöre, ehe er Verzeihung für den
erwiesenen Ungehorsam gewährte. Alle Versuche des Gesandten der Republik,
Abschwächungen zu erwirken, wies er zurück339, und Dietrichstein in Spanien
wurde beauftragt, eine Fürsprache Philipps zu ihren Gunsten zu verhindern340.
Zwei Tage vor seinem Tod erhielt der Kaiser die geforderte Genugtuung, als in
seinem Gemach ein Gesandter der Republik ihre Zugehörigkeit zum Reich und
alle damit verbundenen Pflichten ausdrücklich anerkannte341.
Wichtig an diesem besonderen Fall ist der Befund, daß Ferdinand überzeugt
war, sein Verhalten streng am Recht orientiert zu haben342, und daß er trotz
seiner Schwierigkeiten nicht bereit war, die Hilfe Philipps von Spanien durch
eine Maßnahme zu erkaufen, in der er eine nicht zu verantwortende Minderung
des Ansehens von Kaiser und Reich erblickte. –
Die Behauptung der kaiserlichen Position im Konflikt um Pitigliano wurde
dadurch erschwert, daß außer dem Herzog von Florenz auch der Papst Interes-
se hatte, sich das kleine Reichslehen in Mittelitalien anzueignen343. Tyranni-
sches Gebaren und klerusfeindliche Ausschreitungen des seit 1560 anstelle sei-
nes vertriebenen Vaters nach dessen Verzicht von Ferdinand belehnten Grafen
Niccolo Orsini provozierten sowohl Cosimo als auch Pius IV. zu Interventio-
nen, denen Arco in Rom schon 1560 entgegentreten mußte mit dem Ergebnis,
daß Pius IV. zurückwich und die Entscheidung des Rechtsstreits zwischen
Sohn und Vater (der seinen Verzicht mit päpstlicher Genehmigung widerrufen
hatte) durch eine kaiserliche Kommission, der Arco präsidierte, zugestand. Das
Verfahren, in dem es um das Verlangen des alten Grafen auf Restitution in der
Herrschaft ging, war noch nicht beendet, als im Januar 1562 die Einwohner von
Pitigliano rebellierten, den Grafen Niccolo vertrieben und sich der Herrschaft
Cosimos unterstellten344. Am Kaiserhof war man überzeugt, daß der Medici die
Fäden gezogen habe, um die Burg besetzen zu können, und daß der Papst ent-
weder heimlich Hilfe geleistet oder „durch die finger gesehen“ habe345. Ferdi-
nand zögerte nicht, Pius IV. darauf hinzuweisen, wie sehr der Zwischenfall das
337 Das war der Eindruck sowohl Delfinos (NB II, S. 354: Bericht v. 20.6.1563) als auch des Bi-
schofs von Arras (Weiss 7, S. 160ff: Schreiben v. 25.7.1563 an Gonzalo Perez).
338 Edelmayer, Maximilian, S. 12
339 NB II 4, S. 65; VD 3, S. 266
340 Sudendorf, S. 278ff: Weisung v. 19.5.1564
341 Pugliese, S. 67; VD 3, S. 271 Anm. 3
342 In der Expertise für Philipp berief er sich auch auf von ihm eingeholte, seine Position bestäti-
gende und völlig übereinstimmende Rechtsgutachten der drei Universitäten Bologna, Padua und
Pavia (wie Anm. 319, fol 8r/v).
343 Näheres bei Sickel, Konzil, S. 101; NB II 3, S. 8f; Rill, Arco, S. 13f
344 Sickel, Konzil, S. 264; NB II 3, S. 7f: Borromeo an Delfino, 17.1.1562
345 Seld an Herzog Albrecht, 29.1.1562 (BHStA München, KÄA 4307, fol 301r/v, eigh.); Arco war
gleicher Meinung (Rill, Arco, S. 66f).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien