Page - 668 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Image of the Page - 668 -
Text of the Page - 668 -
Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen
Kräftespiel668
zu regelnden Fragen ausgearbeitet hat, den Unterhändlern Philipps bekannt
war, als die Gespräche im Herbst 1558 aufgenommen wurden, sei dahingestellt;
Seld bezeichnete darin die Restitution der lothringischen Bischofsstädte als
selbstverständlich anzumeldende Forderung, aber auch als „harte Nuß“405.
Doch wußten Philipp und seine Mitarbeiter, daß man im Reich ihren Einsatz
für die Freigabe erwartete406. Die Franzosen weigerten sich allerdings von An-
fang an, über diese Angelegenheit zu verhandeln, weil sie den König von Spani-
en nichts angehe407. Als die spanischen Unterhändler sich ausdrücklich auf den
neuen Kaiser beriefen, wurde ihnen entgegengehalten, sie wären nicht Kommis-
sare von Kaiser und Reich408. Ebenso lehnten die Franzosen eine Teilnahme des
Kaisers ab, sei es als Vermittler – in der Streitfrage, ob Calais an England zu-
rückgegeben werden sollte409 –, sei es als Partei410. Das Engagement der spani-
schen Seite für die Interessen von Kaiser und Reich war dann nicht allzu groß:
Im Januar beschied der Bischof von Arras den Grafen Helfenstein, der Philipp
II. und ihm die Wünsche Ferdinands vorgetragen hatte, „das die conditiones, so
Kay. Mt. dem friden einzuleiben begern, wiewol dye der billichait gemäß, fi-
leicht nit sogar inn spetie zu erhalten sein mochten“; nur eine allgemeine Einbe-
ziehung des Kaisers in den Frieden stellte er in Aussicht411. In der Tat be-
kämpften die Franzosen – letztlich mit Erfolg – alle Formulierungen, aus denen
eine Verpflichtung zur Restitution von Metz, Toul und Verdun hätte abgeleitet
werden können412. Die Anfrage Ferdinands, warum die Sache im Vertrag nicht
behandelt sei, scheint Philipp so unangenehm gewesen zu sein, daß er den Bi-
schof von Arras beauftragte, für eine Sprachregelung Sorge zu tragen413. Be-
greiflicherweise wurde der Punkt in Philipps Mitteilungen an deutsche Fürsten
mit wortreichen Preisungen der Vorteile des Friedens für das Reich übergan-
gen414. Und Ferdinand war klug genug, den Reichsständen nur die französische
Weigerung samt ihrer Begründung mitzuteilen415.
Das Reich mußte sich also selbst um die Restitution kümmern. Der schlechte
Eindruck, den die französische Gesandtschaft beim Reichstag hinterließ, weil sie
in dieser Frage ohne Instruktion war, förderte die Bereitschaft aktiv zu werden.
405 BHStA München, KÄA 4296, fol 405–412, zu dieser Frage fol 411v
406 Weiss 5, S. 259f: Philipp II. an Arras, 17.10.1558; vgl. Barthold, S. 255
407 Philipp II. informierte schon am 22.10.1558 Herzog Heinrich den Jüngeren über diesen Sach-
verhalt (HStA Marburg, PA 2811, fol 29r-31v, Kopie), der die Nachricht an August von Sachsen
weitergab, dieser dann an Philipp von Hessen.
408 Weiss 5, S. 296: Bericht v. 23.10.1558; vgl. Zeller 2, S. 45 Anm. 3
409 Russell, S. 155
410 Die Meldung des venetianischen Botschafters in Paris v. 14.2.1559, Kaiser und Reich wollten
eine Gesandtschaft zu den Friedensverhandlungen schicken (Brown 7, Nr. 24, S. 32), basierte
wohl auf einem Gerücht. Aber daß die französischen Unterhändler dieser Gesandtschaft die An-
erkennung verweigern wollten, war gewiß zutreffend.
411 HHStA Wien, Belgica DD Abt. B (rot) Nr. 232, fol 554r-558r: Bericht Helfensteins, Brüssel,
15.1.1559, hier fol 554r
412 Weiss 5, S. 549ff: Bericht der spanischen Unterhändler v. 16.3.1559, hier S. 552f.
413 HHStA Wien, Spanien Dipl. Korr. 5, fol 87r: Philipp an Arras, 7.4.1559
414 BHStA München, KÄA 4386, fol 77r-78v: Philipp an Albrecht, 7.4.1559 (von Pfintzing ge-
schriebenes Or.)
415 Vgl. Kapitel 5, S. 348
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the
book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien