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Beziehungen zu Frankreich 669
Zwar kam angesichts des Friedensschlusses zwischen den beiden westlichen
Mächten eine militärische Aktion nicht in Frage416 – Meldungen des englischen
Botschafters in Paris, Kaiser und Reich hätten 30000 Mann aufgeboten und vier
FĂĽrsten seien unterwegs, um Metz zurĂĽckzufordern und im Weigerungsfall den
Krieg zu erklären, waren reine Phantasieprodukte417. Doch wurden Richtlinien
für die beschlossene Gesandtschaft des Reiches zum französischen König erar-
beitet418, die – abgesehen von den Änderungen, die der Tod Heinrichs II. erfor-
derlich machte – in die ostensible und die geheime Instruktion übernommen
worden sind.
Die Endfassung der Hauptinstruktion419 knĂĽpfte an den FriedensschluĂź mit
Spanien sowie an jene Äußerungen Heinrichs II. an, in denen er Interesse an
einem gutnachbarlichen Verhältnis zum Reich bekundet hatte, um für den Sohn
und Nachfolger Franz II. eine moralische Verpflichtung abzuleiten, die im
Krieg erfolgte Besetzung der lothringischen Stifte und Städte nun ebenfalls zu
bereinigen. Es wurde betont, das Reich habe Frankreich niemals etwas wegge-
nommen, und da der verstorbene Vater erklärt habe, er wolle jene Stände dem
Reich nicht entziehen, solle Franz nun dessen Anerbieten einlösen und sie
„wurcklich und volkhomenlich restituiern“, nämlich in ihren früheren Rechts-
zustand versetzen, damit auch die Vertriebenen heimkehren könnten. Die Ge-
sandten erhielten die Vollmacht, im Falle der Einigung von den drei Bischöfen
die ĂĽblichen Eide auf den Kaiser entgegenzunehmen. FĂĽr die Regelung strittiger
Einzelfälle wurde die Bildung einer Übergabe-Kommission vorgeschlagen.
Die Nebeninstruktion420 enthielt Argumentationshilfen und Anweisungen,
wie die Gesandtschaft auf potentielle Vorbehalte und Bedingungen zum Zweck
der Verhinderung der vollständigen Rückgabe reagieren sollte. Alle auf Verzö-
gerung hinauslaufenden Vorschläge sollte sie ablehnen. Im Fall einer abschlägi-
gen Antwort unter Berufung auf ältere Rechte oder die Aufwendungen wäh-
rend und nach dem Feldzug von 1552 oder das Kriegsrecht sollten die GrĂĽnde
zurückgewiesen werden, ohne sich auf nähere Erörterungen einzulassen421. Zur
Vermeidung eines Scheiterns der Verhandlungen erhielt die Gesandtschaft
Vollmacht, der Gegenseite eine verbindliche Zusicherung zu geben, durch die
das strategisch ja recht wichtige Gebiet zur neutralen Zone bei kriegerischen
Verwicklungen erklärt würde. Der Ständeausschuß erwog ferner die Möglich-
keit, daß der französische König nur eine scheinbare Restitution zugestehen
wolle, die es ihm erlaube, den „fueß weitter herauß in das Reich setzen und
noch mer stendt desselben dest bequemlicher vergewöltigen“ zu können422, und
machte Vorgaben, wie eine französische Forderung, daß die Bürger und Un-
416 Darüber bestand im federführenden Ausschuß der Reichsstände Einvernehmen (HHStA Wien,
RK RTA 43, fol 326v).
417 Stevenson 1, S. 301: Bericht v. 6.6.1559 an Cecil
418 Vgl. Kapitel 5, S. 350
419 HHStA Wien, RK Rig 36, fol 83r-86r: Instruktion fĂĽr die Gesandtschaft von Kaiser und Reich,
Augsburg, 19.8.1559 (Kopie)
420 Ebda, fol 86v-93r (Kopie)
421 Bei einer Berufung auf das Jus belli sollte erklärt werden, davon sei bisher noch nie die Rede
gewesen.
422 So im Gutachten des Ausschusses (wie Anm. 416, fol 326v).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien