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Beziehungen zu Frankreich 677
übergangen werden470. Natürlich teilte Ferdinand das Urteil über die Huge-
notten, das ihm Katharina von Medici wenig später vortragen ließ: Sie seien
Rebellen, und es gehe in dem Bürgerkrieg um die Wiederherstellung des könig-
lichen Ansehens und die Erhaltung der katholischen Religion471. Dennoch
schlug er das Ansuchen Bochetels, er möge den protestantischen Fürsten die
Unterstützung der Hugenotten verbieten, rundweg ab, weil er nicht gern etwas
tue, was vergeblich sei472. Im Herbst ließ er Katharina eine Entschuldigung
dafür übermitteln, daß er den Zuzug von Landsknechten zu den Hugenotten
nicht hatte verhindern können473.
Den Versuch des Prinzen Condé, durch eine Gesandtschaft zur Frankfurter
Tagung im Spätherbst 1562 dem Kaiser, König Maximilian und den Kurfürsten
die Position der Hugenotten verständlich zu machen, hat Ferdinand zwar nicht
unterbunden, sondern die Gesandten empfangen, doch informierte er Bochetel
anschließend über ihre Darlegungen474. Die hektischen Reaktionen Katharinas
waren unnötig, denn Ferdinand dachte nicht daran, Condé zu ermutigen, son-
dern ermahnte ihn, sich mit seinem König gütlich zu verständigen475.
Erst während dieses Zusammentreffens mit allen Kurfürsten sprach der Kai-
ser die Restitution der lothringischen Stifte und Städte wieder an. In der
„Nachproposition“, in der er den Kurfürsten mehrere politische Fragen vorle-
gen ließ, bat er auch um Rat, was man in dieser Sache tun solle476. Die Kurfür-
sten empfahlen eine neue Demarche in Frankreich, bei der auf einer klaren und
eindeutigen Antwort zu bestehen sei, die dann auf dem nächsten Reichstag zu
beraten wäre; ferner, durch das Reichskammergericht jene Fälle sammeln zu
lassen, in denen Untertanen des Reichs in fremde Jurisdiktion gezogen wür-
den477.
Ferdinand befolgte die Empfehlung umgehend, ohne politische Rücksichten
zu nehmen, weder auf die Situation in Frankreich noch auf das Konzil, obwohl
dort eben jetzt in der Frage der Kirchenreform die praktische Kooperation mit
den endlich eingetroffenen französischen Bischöfen hätte beginnen können478.
Der von ihm mit der Mission betraute Johann Achilles Ilsung479 reiste so un-
auffällig an, daß sein Erscheinen am Königshof in Blois am 10. Februar 1563 die
Regentin überraschte und in große Aufregung versetzte480. Denn Bochetel hatte
470 Moser, Wahlkapitulation, S. 857f: F. an Zasius, Prag, 20.5.1562; Häberlin 4, S. 615f. Die gleiche
Argumentation in einem Brief Selds an Herzog Albrecht, Prag, 21.5.1562 (BHStA München,
KÄA 4307, fol 397v/398r, eigh.). Christoph ließ sich allerdings nicht überzeugen (vgl. Zasius’
Bericht v. 31.8.1562 bei Hopfen, S. 196).
471 Weisung an Bochetel v. 22.7.1562 (Ferrière 1, S. 363).
472 Meyenhofer, S. 341f: Bochetel an Katharina, 27.8.1562
473 Das ergibt sich aus dem Schreiben Katharinas an Bochetel v. 20.9.1562 (Ferrière 1, S. 403f).
474 Dessen Bericht v. 12.11.1562 bei Meyenhofer, S. 353ff
475 Barthold, S. 421f
476 Moser, Wahlkapitulation, S. 938f
477 Sudendorf, S. 272ff: Gutachten der Kurfürsten v. 4.12.1562 zur Nachproposition (dieses Stück
fehlt bei Moser); zu ihren Beratungen Luttenberger, Kurfürsten, S. 140ff
478 Zur Ankunft der Franzosen in Trient Jedin, Konzil 4/1, S. 223
479 Ilsung wird von Ferdinand in der Instruktion als sein Rat vorgestellt; in den publizierten
Hofstaatsverzeichnissen taucht er nicht auf.
480 Ferrière 1, S. 503ff; s. aber Zeller 2, S. 61 Anm. 2
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien