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Beziehungen zu Frankreich 679
wachsen. Aufgrund einer Intervention der Regentin lehnte das Parlament von
Paris es ab, den Brief des Kaisers zu lesen488. Die Ermordung des Herzogs von
Guise am 24. Februar 1563 bot einen plausiblen Grund, den Gesandten mehrere
Wochen lang hinzuhalten. Außerdem wußte man in Blois natürlich, daß der
Kardinal von Lothringen Mitte Februar in Innsbruck mit Ferdinand nicht nur
über Probleme des Konzils konferierte, und erwartete sowohl von diesen Ge-
sprächen als auch von Bochetel genauere Aufschlüsse, welche Bedeutung Il-
sungs Mission beigemessen wurde, insbesondere, wie ernst es Kaiser und Reich
mit jener Drohung war, die anscheinend gerade wegen ihrer Unbestimmtheit
Sorgen erregte489. Jedoch konnte der Kardinal von der Sendung Ilsungs zu Be-
ginn seines Besuchs noch nichts wissen. Die Problematik ist anscheinend ange-
sprochen worden, aber Ferdinand scheint sehr zurückhaltend geblieben zu
sein490. In Gerüchten hieß es, der Kardinal habe ihm plausibel gemacht, daß
Metz im Fall der Rückgabe ans Reich ein Refugium für Häretiker aus den Nie-
derlanden werden würde491. Da die Regentin durch das Ausscheiden des mäch-
tigen Herzogs von Guise und durch das Edikt von Amboise (19.3.1563) wieder
mehr politische Handlungsfreiheit gewann492, wagte sie nach zwei Monaten
eine Antwort, die das Reich so wenig befriedigen konnte wie die vorige. In dem
offiziellen Schreiben des Königs vom 12. April 1563493 hieß es, bekanntlich
habe Heinrich II. die drei Stifte und Städte auf Bitten der Mehrheit der deut-
schen Fürsten („de la plus part des Princes de la Germanie“) zur Bewahrung der
deutschen Libertät besetzt – dieses Argument hatte der ständische Ausschuß
schon 1559 erwartet und darüber nachgedacht, wie es zurückzuweisen sei –,
und abermals wurde bestritten, daß dem Reich dadurch Abbruch geschehen sei,
denn die Bischöfe hätten den Huldigungseid geleistet und die Städte wären allen
Reichspflichten weiterhin nachgekommen. Die unterlassene Beschickung des
Frankfurter Tages wurde mit der Jugend des Königs und der Inanspruchnahme
durch den Bürgerkrieg begründet – beides hätte Ilsung als Ausflüchte beanstan-
den sollen –, die Gesandtschaft habe man darum bis zum nächsten Reichstag
verschoben. Zum Schluß wurde die Erwartung ausgesprochen, daß diese Ent-
schuldigung als genügend anerkannt und nichts gegen die Krone Frankreich
unternommen werde. In einem persönlichen Schreiben an Ferdinand stilisierte
die Regentin diese Erwartung als inständige Bitte494.
488 Dazu Zeller 2, S. 61f; Katharina ließ Bochetel wissen, sie habe diesen Schritt befremdlich gefun-
den (Ferrière 1, S. 524).
489 Ferrière 1, S. 505ff, S. 542ff und S. 540ff: Briefe Katharinas an Bochetel v. 12.2. und v. 26.3.1563
sowie v. 25.3. an den Kardinal; vgl. Barthold, S. 483 f u. S.508
490 VD 3, S. 220 Anm. 4
491 Stevenson 6, S. 298 (Nr. 652)
492 Hassinger, S. 309
493 Le Laboureur 1, S. 802f: der französische Text und eine zeitgenössische deutsche Übersetzung
bei Lambert, S. 358ff, das Zitat dort S. 360.
494 Das besiegelte Original, irrtümlich mit 12.4.1562 (statt 1563) datiert (Eingangsvermerk:
8.5.1563), in HHStA Wien, St-Abt., Frankreich Hofkorr. 2; Druck bei Lambert, S. 364, zeitge-
nöss. deutsche Übersetzung ebda, S. 365; Bucholtz 7, S. 467 zitiert aus einer lateinischen Über-
setzung.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien