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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 682 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel682 len, sich für eine „guetliche vergleichung“ einzusetzen510. Er befürchtete als Folge einer Ausweitung des Krieges im Baltikum eine „verhinderung der hochnotwendigen gegenwer“ gegen die Türken. Vom Kurfürsten August, der verwandtschaftliche Beziehungen zum dänischen Königshaus hatte, erhoffte er beruhigende Einflußnahme nach dieser Seite, von den Hohenzollern auf ihre ostpreußischen Verwandten, er selbst bemühte sich bei König Sigismund Au- gust II., seinem Schwiegersohn. Seine ein paar Monate später faßbare Erwä- gung, die Könige von Dänemark und Polen zur Beteiligung an einer Gesandt- schaft gemeinsam mit Vertretern des Reichs einzuladen, die in Livland Frieden vermitteln sollte511, verdient insofern Beachtung, als dadurch beiden Mächten die Intervention zugunsten einer Partei erschwert worden wäre. Während eine dänische Gesandtschaft schon in den ersten Monaten des Jah- res 1557 im Baltikum tätig wurde512, ohne daß Kooperation mit dem Reich nachgewiesen wäre, mußte Ferdinand bald einsehen, daß Sigismund August zu einer militärischen Aktion gegen den Ordensmeister entschlossen war513. Der polnische König stand hinter der provozierenden Aktion des Rigaer Erzbi- schofs, da er in Ausübung eines alten Rechtes den Koadjutor präsentiert hat- te514, und interpretierte dessen Nichtanerkennnung als Kränkung. Seine Rü- stungen im Frühjahr 1557 veranlaßten Ferdinand am 15. April 1557 zu einem eindringlichen Appell515. Der Tenor des Schreibens ist nicht eigentlich politisch. Ferdinand, der bisher jedes Urteil über den Konflikt in Livland vermieden hat- te, räumte darin Beleidigungen und Rechtsverletzungen („offensiones et iniuri- as“) des Ordensmeisters gegen den König und den Erzbischof von Riga ein, meinte aber gleichwohl, die Reputation des Königs werde davon nicht so stark berührt, weshalb eine gütliche Einigung („amicabilis tractatio“) oder eine Ent- scheidung auf dem ordentlichen Rechtsweg einem verheerenden Krieg mit schlimmen Folgen für die ganze Christenheit – zumal angesichts der perma- nenten Bedrohung durch ihre Feinde – vorzuziehen wären. Er äußerte die Überzeugung, daß die andere Seite auf die Vermittlung durch die Kommission des Reiches eingehen oder eine rechtliche Entscheidung akzeptieren werde, und appellierte sowohl an die Einsicht des Königs, daß Krieg immer große Schäden verursache, als auch an ihre verwandtschaftliche Verbundenheit. Ob es den Empfänger nachhaltig beeindruckt hat, muß offen gelassen werden. Der Waf- fengang zwischen Polen und Livländern ist de facto vermieden worden, auch wenn es im August noch zu einer polnischen Kriegserklärung an den Orden gekommen ist516. Die Kommission des Reiches für Livland, auf die sich – wie früher berichtet – König und Reichstag verständigt hatten, wurde Anfang Mai 510 HHStA Wien, RK RTA 36, fol 451r-452r: F. an August von Sachsen, Wien, 12.8.1556 (Konz.); vgl. M. Wagner, S. 135 u. S. 140f; das Schreiben an Sigismund August von Polen erwähnt Ras- mussen, S. 56 nach polnischen Quellen. 511 HHStA Wien, ebda 37, fol 304r-306r: Weisung v. 21.10.1556 (Konz.) 512 Rasmussen, S. 57f 513 Zivier, S. 607ff 514 Arnell, S. 17 515 HHStA Wien, Polonica 9 Konv. VII, fol 1r-3r (Konz.), erwähnt bei Zivier, S. 608 516 Zivier, S. 609 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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