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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 695 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Die baltische Frage 695 man möge doch sehr gründlich die Folgen bedenken, die eine solche Verbin- dung nicht nur für die Freiheit des polnischen Königreichs, sondern für die gesamte Christenheit mit sich bringen könnte, zu mahnen, man möge mit der Entscheidung nicht eilen, und bei Gelegenheit an die vielen Feindseligkeiten zu erinnern, die Polen von seiten Moskaus erfahren habe592. Jenes Heiratsprojekt zerschlug sich ohne Zutun Sauermanns nach kurzer Zeit, was zu erhöhter Spannung zwischen Polen und Rußland führte. Seine weitere Aufgabe war, König Sigismund August immer wieder eindringlich vorzustellen, wie wichtig und verdienstlich für die Christenheit und das Reich seine Beteiligung an der Verteidigung Livlands gegen Rußland sei und wie bedrohlich ein Erfolg des Zaren für ihn selbst wäre – man könnte davon sprechen, daß Ferdinand ver- suchte, das Livlandproblem zu instrumentalisieren, um die Gefahr einer rus- sisch-polnischen Annäherung zu bannen. In allgemeiner Weise sollte Sauer- mann – aber nur auf Anfrage – auf die Absicht von Kaiser und Reich verweisen, Livland zu helfen593. Notfalls abstreiten sollte er, was ihm streng geheim als Richtlinie der kaiserlichen Politik mitgeteilt wurde: Daß Ferdinand keine eige- nen Kräfte für Livland abzweigen werde, weil er sie zur Verteidigung gegen die Türken benötige, so daß für Livland nur das an Hilfe geleistet werden könne, was die Stände aufbringen würden; Versprechungen darüber, wie sicher und in welcher Höhe das erfolgen werde, mochte Ferdinand in seinem Namen nicht abgeben lassen594. Sigismund August suchte seinerseits in Wien den Eindruck zu erwecken, als ob der Krieg mit Rußland in Kürze bevorstünde. Er ließ vor- tragen, er benötige jetzt viel Geld, weil der Großfürst sich gerüstet habe, um das restliche Livland zu verwüsten, weshalb Ferdinand auch erneut bei Philipp II. intervenieren sollte, und spielte ebenfalls das Argument der Bedrohung des Reiches aus595. Ende Mai ordnete Ferdinand an, wenn der Polenkönig zum Krieg nach Litauen aufbreche, solle Sauermann ihn begleiten596 – er wollte also einen zuverlässigen Beobachter in der Nähe wissen. Es hat den Anschein, als ob Ferdinand zuerst durch jenes Phantom einer rus- sisch-polnischen Ehe und nach seiner Verflüchtigung von den scheinbaren Vorbereitungen Polens für einen Waffengang mit Rußland so weit irregeführt worden ist, daß er nicht beizeiten bemerkt hat, wie grundlegend sich die politi- sche Situation im Baltikum im ersten Halbjahr 1561 veränderte. Denn entgegen den Erwartungen kam es von russischer Seite in diesem Jahr nur zu einzelnen Überfällen597, Iwan IV. unternahm aber keine neue Offensive in Livland. Statt- dessen griff Schwedens neuer König Erich XIV. aktiv im Baltikum ein mit dem 592 HHStA Wien, Polonica 10 Konv. X, fol 74r-83v: Instruktion für Sauermann, 29.11.1560 (Konz.), bes. fol 81r-82r; vgl. Übersberger, S. 350 593 Ebda, Polonica 10 Konv. E, fol 35r-42r und fol 78r-82v: Instruktionen v. 3.3.1561 und v. 11.4.1561 594 „...qui certe ita occupati sumus defensione regnorum atque provinciarum nostrarum contra vim Turcharum, ut nihil nobis super sit virium, quod ad bellum Moscovitium convertamus, nec pol- liceri audemus quam certa et valida futura sint illa ipsa subsidia qua ab ordinibus imperii ad re- cuperationem et conservationem afflictae Livoniae expectantur“ (fol 81r). 595 Ebda, Polonica 10 Konv. C, fol 110r: Schreiben des polnischen Orators an F., 10.4.1561 596 Ebda, Konv. E, fol 131r-132v: Instruktion v. 28.5.1561 597 Arnell, S. 194 Anm. 1 mit Nachweisen CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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