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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 696 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel696 Ziel, sich an der estnischen Küste festzusetzen. Seine Begehrlichkeit tarnte er in Schreiben an den Kaiser zuerst mit dem Anerbieten, die Vermittlungsversuche seines Vaters zwischen dem Zaren und den Livländern fortzusetzen, später mit der Ankündigung eines Verbots für seine Untertanen, Narwa anzulaufen, was ja im Interesse des Wiborg-Handels lag598. Gleichzeitig bot er Reval seinen Schutz an und erreichte bis Anfang Juni, daß die Stadt und große Teile von Estland sich von der Herrschaft des Ordensmeisters lossagten und unter sein Protektorat begaben599. Noch im April, als die Verhandlungen zwischen Erich und Reval schon liefen, hatte Ferdinand die Stadt für ihre tapfere Verteidigung gegen die russische Belagerung gelobt, zur Treue gegenüber Reich und Or- densmeister ermahnt, vor den Werbungen fremder Mächte gewarnt, ohne sie jedoch beim Namen zu nennen, und baldige Unterstützung durch das Reich in Aussicht gestellt600. Natürlich erfuhr man in Wilna früher, was sich in Estland abspielte, und Sauermann versuchte dem Abspringen Revals mit dem Hinweis entgegenzuwirken, er sei ja deswegen am polnischen Hof, um Hilfe für die Stadt anzufordern601. Vergebens, einen Monat später hatte er nach Wien zu berichten, Reval stelle sich unter schwedischen Schutz. Nachdem die Aktion geglückt war, zeigte Erich XIV. sie dem Kaiser mit der Bitte an, sie ihm nicht zu verübeln – dem Reichshofrat blieb nur die Empfehlung übrig, auf diesen Passus seines Schreibens nicht einzugehen602. Zur Rechtfertigung seiner Aktionen hat Erich XIV. mehrmals auf die kaiserlichen Hilfsersuchen aus den Jahren 1558 bis 1560 zurückgegriffen603. Die politische Absicht des Schwedenkönigs, sich zum Herrn der Ostsee zu machen, wurde in Wien erst jetzt richtig erkannt. Man sah aber keine Möglichkeit zum Eingreifen, um die drohenden Nachteile für den Rußlandhandel der Hansestädte und anderer Mächte abzuwenden604. Schwedens erfolgreicher Griff nach Reval hat den Anstoß zur endgültigen Teilung Livlands gegeben. Alsbald verstärkten Sigismund August II. und sein Verhandlungsführer Nikolaus Radziwill den Druck auf den Ordensmeister Kettler und den Erzbischof von Riga605. In Livland wuchsen angesichts der Langsamkeit, mit der im Reich die zugesagte Hilfe behandelt wurde, verständli- cherweise die Zweifel, ob man von dorther überhaupt Unterstützung bekom- men würde. Kettler nahm alle möglichen Anlässe wahr, um bei Ferdinand auf Beschleunigung zu drängen – die Truppen wünschte er schon zur Saatzeit in Livland im Einsatz zu sehen –, was der Kaiser immer nur mit Verweisen auf 598 HHStA Wien, RHRP 19, fol 26r und fol 53r: Einträge zum 11.3. bzw 16.5.1561; beide Male wurden Dankschreiben beschlossen. 599 Arnell, S. 169ff 600 Schirren 6, S. 319ff: F. an Reval, 5.4.1561 601 Bienemann 4, S. 293ff; vgl. Rasmussen, S. 213 602 HHStA Wien, RHRP 19, fol 86v: Eintrag zum 22.6.1561 603 Dreyer, S. 55 u. S. 152f 604 Eingehende Analyse Selds in einem Brief an Herzog Albrecht v. 15.7.1561 (BHStA München, KÄA 4307, fol 145v/146r, eigh.) 605 Rasmussen, S. 215f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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