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Die baltische Frage 701
nehmen, aber Landgraf Philipp weigerte sich, weil er sich mit Erich XIV. über-
worfen hatte641. Maximilian ernannte ebenfalls zwei Vertreter642.
Inzwischen hatte man sich über die wechselseitigen Vorwürfe der Gegner
informiert, aber noch immer empfand Ferdinand Unbehagen über seine gerin-
gen Kenntnisse643. Als allgemeine Richtlinie gab er seinen Kommissaren mit,
engen Kontakt mit den bisherigen Vermittlern zu pflegen und deren Vorschläge
zu unterstützen. Sie sollten die Erneuerung des letzten, eigentlich für 50 Jahre
geschlossenen Friedens und in den einzelnen Streitfragen, wo immer das mög-
lich sei, die Wiederherstellung des Status quo empfehlen. Aus den Livland be-
rührenden Problemen sollten sie sich heraushalten, die von Lübeck verlangte
Freigabe der Narwafahrt durch Schweden durften sie unter Berufung auf den
Grundsatz der Freiheit der Meere unterstützen644. Als der Kaiserhof Anfang
Mai Kenntnis von der sächsischen Instruktion erhielt, die in etlichen Punkten
deutlich gegen Schweden Stellung nahm, wurden die Kommissare auf die Un-
terschiede aufmerksam gemacht und informiert, welche Positionen unterstützt
werden könnten und welche nicht645.
Man war zuversichtlich, in Rostock Fortschritte erzielen zu können, insbe-
sondere, nachdem auch Polen seine Teilnahme zugesagt hatte646. Ein Angebot
der Statthalterin Margarete, die Vermittlung durch niederländische Vertreter zu
unterstützen, wurde freundlich abgelehnt, weil es „allerlay nachgedenkens ge-
beren“ könne647 – als am Ostseehandel interessierte Macht konnten die Nie-
derlande schwerlich als unparteilich gelten. Jedoch schickte Erich XIV. wieder-
um keine Vertreter, stattdessen verlangte er mehrere Wochen nach dem vorge-
schlagenen Termin die Verlegung der Konferenz nach Kalmar, also auf schwe-
dischen Boden648, womit er den Kongreß de facto torpedierte. Der todkranke
Kaiser hat das endgültige Scheitern seiner Friedensvermittlung im Norden nicht
mehr erlebt – an seinem Todestag nahm der Geheime Rat aus einem Bericht
Hassensteins zur Kenntnis, daß die Schweden noch nicht in Rostock eingetrof-
fen waren649. Ob Ferdinand in der Hoffnung auf baldigen allgemeinen Frieden
in und für die Christenheit gestorben ist?
641 Arnheim, S. 446f; VD 3, S. 271
642 Perger, S. 212f: Schreiben v. 1.4.1564 an Warnsdorf und an Waldstein
643 So in seiner Mitteilung über die Einberufung des Kongresses an den Bischof von Arras v.
17.3.1564: „nonobstant que nous ne savons avec fondement les occasions de leur guerre ny les
circonstances d’icelle“ (Weiss 7, S. 420).
644 HHStA Wien, RHRP 23, fol 61r-64r: Grundzüge der Instruktion mit Gegenüberstellung der
gegenseitigen Vorwürfe und kurzen Notizen, wie die Gesandten dazu Stellung nehmen sollten
(Eintrag zum 10.4.1564).
645 Ebda, fol 89r-90r: Eintrag zum 22.5.1564. So wurde der Satz „Schweden hab Liflandt dem Reich
unnd dem Konig von Poln entzogen“ kommentiert: „Non placet quoad Polonii“ (fol 89v).
646 Weiss 7, S. 540: Seld an Bischof von Arras, 29.4.1564
647 HHStA Wien, Belgische Korr., Schachtel 1, fol 221r-222r: F. an Margarete v. Parma, 28.5.1564
(mit recht fahrig wirkender eigh. Unterschrift)
648 Arnheim, S. 457f; Schäfer, S. 137f
649 HHStA Wien, RHRP 23, fol 127r: Eintrag zum 25.7.1564
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien