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Zur Heiratspolitik Ferdinands 705
âspanische Sukzessionâ im Reich ist sowohl von Ferdinand als auch von Karl
eine weitere Verklammerung der beiden Zweige der Casa dâAustria, und zwar
durch eine Ehe des inzwischen verwitweten Philipp mit einer Tochter Ferdi-
nands, erörtert worden. Das Projekt wurde Bestandteil der FamilienvertrÀge
vom MĂ€rz 1551. Es ist nicht realisiert worden, weil Karl schon nach kurzer Zeit
die PrioritÀten anders setzte und deshalb zuerst eine Heirat Philipps mit der
portugiesischen Prinzessin Maria und wenig spÀter die mit der im Juli 1553 auf
den englischen Thron gelangten Maria Tudor betrieb670. Seit 1561 hat Ferdi-
nand nochmals eine neue VerknĂŒpfung der beiden habsburgischen Linien zur
Diskussion gestellt mit dem Vorschlag, seine Àlteste Enkelin, die damals
zwölfjÀhrige Erzherzogin Anna, mit Don Carlos zu verheiraten671. Er konnte
das durchaus mit dem allgemeinen Interesse des Hauses Habsburg begrĂŒnden,
denn Philipps dritter Ehe mit der noch jugendlichen Elisabeth von Valois waren
bislang keine Kinder entsprossen, er wollte aber wohl auch eine âbessereâ Al-
ternative fĂŒr das von Philipp erwogene Projekt anbieten, den Thronfolger mit
einer portugiesischen Prinzessin zu vermĂ€hlen672. Daneben befĂŒrwortete der
Kaiser den von Philipp ausgehenden Plan, die Erzherzöge Rudolf und Ernst
nach Spanien kommen zu lassen; denn im Falle einer die spanische Linie tref-
fenden Katastrophe konnten die nÀchsten Erben, Königin Maria und ihr Ge-
mahl Maximilian, die Herrschaft in Spanien jetzt kaum mehr selbst ĂŒberneh-
men, darum sollte mit ihren Söhnen die nÀchste Generation bereitstehen673.
Jedoch erteilte Philipp II. dem Heiratsprojekt des Kaisers schon bald unter
Verweis auf die labile Gesundheit und zurĂŒckgebliebene Entwicklung seines
Sohnes eine vorlĂ€ufige Absage, und GĂșzman fĂŒgte die Prognose hinzu, der
Prinz sei allenfalls in zwei bis drei Jahren heiratsfÀhig674. Dem Kaiser blieb nur
die Hoffnung, der Zustand des GroĂneffen möge sich entscheidend verbessern
und das Projekt dann doch noch realisierbar werden675. Als im Laufe des Jahres
1563 Don Carlos als Ehekandidat fĂŒr Maria Stuart ins GesprĂ€ch gekommen
war, muĂte man in Wien annehmen, die Besserung sei eingetreten, und so kam
man auf das Ă€ltere Projekt zurĂŒck, das nun auch als Kompensation gedacht war,
denn um Maria Stuart warb man damals selbst fĂŒr Erzherzog Karl676. Es hat
den Anschein, daĂ Philipp sich daraufhin entschlossen hat, die Wiener Ver-
670 Dazu eingehend Lutz, Christianitas, S. 204ff
671 Luna an Philipp, 13.10.1561 bzw. 19.1.1562 (CDI 98, S. 246f u. S. 270ff); F. an Philipp, 14.1.1562
(Döllinger 1, S. 371f = CDI 98, S. 391, dort fÀlschlich 1563 zugeordnet).
672 Fichtner, Ferdinand I., S. 221f
673 Auf diesen wichtigen Aspekt des Aufenthalts der beiden jungen Erzherzöge hat Rassow, Toch-
ter, S. 167, hingewiesen. Daà er den Habsburgern prÀsent war, beweist das von Maurenbrecher,
HZ 32, S. 287 Anm. 2 gebotene Zitat aus einem Bericht GĂșzmans v. 12.3.1562 (HHStA Wien,
Spanien, Dipl. Korr. 6, fol 9v).
674 Döllinger 1, S. 404f; HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korr. 6, Konv. GĂșzman an F., fol 104r/v:
Bericht GĂșzmans v. 10.3.1562 (eigh. Or.); fast vollstĂ€ndig zitiert bei Maurenbrecher HZ 32, S.
290 Anm; vgl. auch CDI 26, S. 445ff: Philipp an Luna, 10.3.1562
675 CDI 98, S. 313ff: F. an Philipp, 30.3.1562
676 Dazu unten S. 721ff. â Da GĂșzman 1563 im Auftrage Philipps am Kaiserhof tĂ€tig war, fehlte
dem Kaiser der Beobachter in Spanien.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂŒnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien