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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen
Kräftespiel714
gefestigt beurteilt, um ihn der schwierigen Situation in England auszusetzen741.
Wie weit Ferdinand sich über die Tragweite der Anfang April beschlossenen
Act of Supremacy and Uniformity schon im klaren war, muß offen bleiben.
Zunächst galt es herauszufinden, ob Elisabeth den jungen Mann als Gemahl
akzeptieren wolle. Diese Aufgabe wurde einem minderrangigen Gesandten,
Kaspar Breuner, dem Kämmerer Erzherzog Karls, übertragen, der in Zusam-
menarbeit mit den spanischen Vertretern in London der englischen Königin
allgemein die Vorteile der Verbindung mit einem Erzherzog nahebringen und
im Falle einer positiven Reaktion natürlich seinen Herrn ins rechte Licht rük-
ken sollte742. Danach sollte dann eine höherrangige Gesandtschaft zum Aus-
handeln des Ehevertrages folgen.
Bereits Mitte Juni mußte Ferdinand sich fragen, ob jene „glänzende Gele-
genheit“ noch bestand. Die erste Antwort, die Elisabeth seinen Gesandten
mündlich und schriftlich erteilte743, enthielt einerseits die ungeschminkte Aus-
sage, sie wolle nicht heiraten; andererseits konnte man die Bemerkung, der Kai-
ser habe für seine Söhne sicher bessere Ehepartner, als captatio benevolentiae
interpretieren, und ihre von Breuner wie Quadra gemeldete Bedingung, sie
wolle keinen Mann nehmen, „sy sech in dann zuvor“744, schien die Neigung zur
ständigen Jungfräulichkeit eher zu relativieren, sofern sie nicht als taktisches
Manöver zu werten war745.
Die Reaktion Elisabeths hat Ferdinand verunsichert. Für ihn hatte das engli-
sche Heiratsprojekt insofern ungewohnte Züge, als die Konditionen nicht wie
sonst „unter Männern“ auszuhandeln waren, sondern die umworbene Braut
persönlich die Partnerin war und letztlich allein entschied, ob sie wollte und
was sie beanspruchte. Zudem hatte er allerlei Nachteiliges über die Königin
gehört. Einerseits wollte er, wie er Maximilian anvertraute, die „große Gelegen-
heit“ für Karl noch nicht fahren lassen, andererseits aber wollte er kein Risiko
für dessen Seelenheil eingehen746. Beratungen mit Karl und Herzog Albrecht
führten zu dem Ergebnis747, sich erst mehr Sicherheit über den künftigen religi-
onspolitischen Kurs in England sowie über das persönliche Verhalten der Kö-
nigin und die Chancen der anderen Bewerber um ihre Hand zu verschaffen.
Breuner erhielt die Weisung, in England zu bleiben und die Entwicklung in den
genannten Punkten sorgfältig zu beobachten, sich in der Heiratssache aber zu-
741 s. oben Anm. 724
742 Zur Person Breuners Diemer, S. 28 Anm. 2. Seine Instruktion v. 8.5.1559 (HHStA Wien, HA
FA 21 II, fol 99r-107v) ist allein auf Erzherzog Karl als Ehepartner ausgerichtet.
743 Bericht Breuners v. 7.6.1559 (HHStA Wien, ebda, fol 132r-137v; Elisabeth an F., 5.6.1559 (ebda,
fol 124r-125v, englisches Regest bei Stevenson 1, S. 299f); vgl. auch Cecils Aktennotiz (ebda, S.
298).
744 Breuner an Erzherzog Karl, 7.6.1559 (HHStA Wien, ebda, fol 129r-130r); Quadra an Philipp II.,
30.5.1559 (CDI 87, S. 191–199, hier S. 197: „...no casar, sino con hombre de valor á quien hubie-
se visto y hablado...“)
745 Und zwar, weil Elisabeth entweder schon heimlich verheiratet sei oder sich für einen anderen
Partner entschieden habe; so Nikolaus von Pollweiler an F., 11.6.1559 (HHStA Wien, ebda, fol
149r-150v; vgl. Diemer, S. 36 Anm. 24).
746 Ebda, fol 162r/v: F. an Maximilian, Augsburg, 24.6.1559 (eigenh.); vgl. Diemer, S. 39
747 Die Einladung dazu bei Goetz, Beiträge, S. 158f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien