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Zur Heiratspolitik Ferdinands 717
durch ein Ökumenisches Konzil in Bälde zum Ziel führen würden und auch die
Königin dabei mithelfen werde760. (2) Die Absicht, dem Katholizismus in Eng-
land am königlichen Hof einen Kristallisationskern zu schaffen, wurde ziemlich
klar beschrieben: Ferdinand ging davon aus, der Prinzgemahl werde einen Eid
leisten müssen, die Rechte und Freiheiten des Königreichs zu respektieren, und
hielt es für möglich, daß er dabei auch Bestimmungen zum Nachteil der Katho-
liken beschwören müsse. Weil das nicht nur das Gewissen seines Sohnes bela-
sten, sondern auch die Erwartungen der zahlreichen Katholiken in England
enttäuschen und sie anderen Fürsten zutreiben werde761, hoffte er diese gefähr-
liche Klippe („scopulum hunc periculosum“) durch die ausdrückliche Versiche-
rung umfahren zu können, sein Sohn werde sich eidlich verpflichten, die Geset-
ze des Königreiches zu achten und ohne Zustimmung der Königin und der
Stände keine Änderungen einführen zu wollen. (3) Das Ansinnen, Karl solle
nach England kommen, ehe die Königin sich für die Heirat mit ihm entschieden
habe, sollte Helfenstein höflich ablehnen mit der sicher Ferdinands persönliche
Meinung ausdrückenden Begründung, das sei Würde und Ansehen des Kaisers
abträglich, außerdem unter bedeutenden Fürsten unüblich, ja unerhört, denn
die würden meistens verheiratet, ohne den Partner vorher gesehen zu haben,
was aber das Eheglück nachweislich nicht beeinträchtigt habe762. Selbst um den
Preis des Abbruchs der Verhandlungen wollte Ferdinand in diesem Punkt nicht
nachgeben.
Eine Woche später erweiterte Ferdinand Helfensteins Vollmacht insofern, als
der Graf nun allen Konditionen, die dem Heiratsvertrag zwischen Maria Tudor
und Philipp II. entsprächen, ohne Vorbehalt zustimmen durfte („consentire
sine omni scrupulo“)763. Damit wäre die Gleichstellung seines Sohnes mit der
Königin einschließlich des Königstitels nach der Hochzeit sowie seine Beteili-
gung an den Regierungsgeschäften – selbstverständlich im Rahmen der Gesetze
und Gewohnheiten Englands – erreicht worden. Bemerkenswert ist der Punkt,
in dem Ferdinand über jenen Vertrag hinauszukommen wünschte: Karl sollte
für den Fall, daß die Königin vor ihm ohne Kinder stürbe, die Nachfolge zuge-
sichert werden. Helfenstein sollte versuchen, den Engländern diese Lösung als
Aufwertung – durch Betonung der kaiserlichen Abstammung Karls – schmack-
haft zu machen; den Einwand, das sei Philipp nicht konzediert worden, sollte er
damit entkräften, die Dinge lägen jetzt anders, weil kein Agnat vorhanden wäre,
dessen Rechte verletzt werden könnten. Man wagt kaum, sich die Folgen aus-
zumalen, wenn die englische Seite diesen Vorschlag akzeptiert hätte und der
Eventualfall eingetreten wäre. Für den Fall der Ablehnung hatte Ferdinand
760 Die Instruktion fällt in die Phase der Vakanz in Rom nach dem Tode Pauls IV.
761 „Hac quoque in parte caute agendum erit, nec Dilectionis suae conscientia offendatur nec status
catholici, qui pro dimidia parte superesse dicuntur, omni spe restituendae religionuius catholicae
prorsus deiecti ad aliorum principum auxilium et opem configuant“ (Diemer, S. 302).
762 „...respondeat et petat, ne quid eiusmodi a nobis reqiuratur, quod sit a dignitate et existimatione
nostra alienum, item insolitum imo inter magnos principes inauditum quoque, qui plerunque
matrimonio iunguntur non visi nec propterea minus foeliciter eveniunt ea connubia, quae hoc
modo conficiuntur, sed potius solent esse Dei gratia foelicissima, prout multorum imperatorum
ac regum exempla allegari possent.“ (Diemer, S. 303)
763 HHStA Wien, HA FA 21 III, fol 71r-79r; Diemer, S. 77f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien