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„Imago Ferdinandi“: Zum Bild des Habsburgers in der Mit- und Nachwelt 729
Heldentaten vollbracht habe; dennoch könne man sagen, daß Ferdinand im
Frieden Ebenbürtiges geleistet habe16. Er schließt mit den Worten: „de la fama
loro vivere sempre in tutti seculi a venire“.
Die später erschienene Vita von Dolce ist sowohl umfangmäßig als auch in-
haltlich wesentlich schmaler. Dolce interessierten im Grunde nur die Kämpfe,
die Ferdinand jahrzehntelang mit den Türken und den Fürsten von Siebenbür-
gen um Ungarn geführt hat. Dieses Thema dominiert das ganze Buch. Der Au-
tor verfolgt aber nicht die Absicht, Ferdinand als Vorkämpfer des christlichen
Glaubens zu stilisieren17. Nach kurzen Bemerkungen über Ferdinands Ab-
stammung und seine Erhebung zum Erzherzog von Österreich kommt er als-
bald auf die osmanische Expansion auf dem Balkan und den ungarischen
Thronfolgestreit nach der Schlacht bei Mohács zu sprechen, den er als politi-
schen Konflikt darstellt, indem er die beiderseits erhobenen Rechtsansprüche
vorführt und die osmanische Parteinahme für Zapolya politisch motiviert
sieht18. Die Entwicklung im Reich wird nur gelegentlich berücksichtigt, um zu
erläutern, warum Ferdinand den Krieg in Ungarn nicht nachdrücklicher führen
konnte. Den Auseinandersetzungen zwischen 1547 und 1552 widmet Dolce
mehr als die Hälfte seiner Ausführungen19. Da aber Ferdinand an keinem Feld-
zug in Ungarn persönlich teilgenommen hat, überhaupt keine kriegerische Na-
tur war, was der Autor auch anmerkt20, und überdies von diesem Felde weder
großartige Erfolge noch überlegenes politisches Handeln des Habsburgers zu
vermelden waren, war das Thema für eine Vita im Grunde ungeeignet, und die
abschließenden Würdigungen wirken angeklebt. Dolce erklärt, Ferdinand habe
nicht etwa aus Herrschsucht gehandelt, sondern zum Wohle der Christenheit21,
und er stilisiert den Habsburger als vorbildlichen Fürsten: „Fu Prencipe ripieno
di molto virtù, ma sopra tutto giustissimo et religiosissimo. Fu, come dicemmo
di sopra, introdotto nelle lettere e nelle buone discipline; e teneva piena cogni-
tione della humane e divine legge“22; er sei immer sehr gütig gegen jedermann
gewesen und habe es verdient, „che merita la sua anima sia tra il numero de’
beati“23.
Während die beiden südländischen Autoren mehr auf die Schilderung von
Aktionen Wert legten, den Habsburger allerdings auch mit den wichtigen römi-
schen Herrschertugenden ausstatteten, wurde Ferdinand im Reich vor allem als
frommer und friedliebender Herrscher gepriesen. Als im Jahre 1565 die beiden
Predigten, die sein Beichtvater Matthias Sitthard nach dem Tode des Kaisers
gehalten hatte, die von schmeichlerischen Lobreden auf den Verstorbenen
16 S. 449f; das folgende Zitat S. 450
17 Ein anläßlich der Königswahl Ferdinands eingestreuter Hinweis auf eine Weissagung, nur zwei
Brüder aus dem Hause Habsburg könnten der schrecklichen Bedrohung durch die Ungläubigen
abhelfen (Dolce, S. 42), bleibt vereinzelt.
18 Dolce, S. 19–30
19 Ebda, S. 109–235
20 Ebda, S. 239
21 „non fu mai ambitioso di regnare; e tutto quello, in che si affacitarva, era a beneficia della Repu-
blica Christiana“ (S. 236).
22 Ebda, S. 240
23 Ebda, S. 246
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien