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Epilog730
wohltuend frei sind, veröffentlicht wurden, wurde ihnen ein Gebet angefügt24,
das Ferdinand des öfteren gebetet haben soll, und zwar sowohl in lateinischer
Sprache als auch – damit es jedermann verstünde – in einer ausschmückenden
Übersetzung. Danach war das wichtigste Anliegen des Kaisers die Einheit der
Kirche, deren friedliche Wiederherstellung er noch zu erleben bat, sodann die
Sorge um das bedrängte Reich, insbesondere aber um jene, die unter dem Joch
barbarischer Feinde leiden müßten, endlich die Bitte um Weisheit zu gerechter
Regierung und um Milde gegen Untertanen und Arme und um das Seelenheil
seiner Angehörigen.
In dem wenige Jahre nach Ferdinands Tod publizierten „Teutscher Nation
Heldenbuch“ zeichnete Heinrich Pantaleon ein überaus positives Bild25. An-
läßlich der Königswahl heißt es: „Es was Ferdinand ein freundtlicher Fürst, so
mit viel tugenten begaabet. Er hat ein grossen eyffer zu der Religion, liebet den
friden, hat züchtige geberden und fürderet die guten künst nach bestem vermö-
gen“26. Schon im dritten Satz behauptet Pantaleon, während Karl „der waaffen
übung mehr geliebet, ist Ferdinand allezeit deß fridens begiriger gewesen“. Er
geht zwar auch auf Ferdinands Ringen um Ungarn bis zum Feldzug von 1542
und die Beteiligung am Schmalkaldischen Krieg ein, besonders aber hebt er des
Königs Verdienste um den zu Passau geschlossenen „bestendigen friden“ und
die Vertreibung des Markgrafen Albrecht Alkibiades hervor, also zwei politi-
sche Handlungen, die jene These belegen konnten. Der Augsburger Reichstag
und Ferdinands Mühen um das Konzil werden dagegen nicht erwähnt. Als
Kaiser habe Ferdinand „Teutsch nation loblich geregieret und den friden wun-
derbar wol erhalten“ und bei den deutschen Fürsten mit ein paar freundlichen
Ermahnungen mehr ausgerichtet als sein Bruder Karl mit großer Kriegsmacht.
„Deßhalben hat sich Teutschland sehr under diesem Keiser wider erquicket,
auch an gewalt und reichtumm zugenommen“27. Der Katalog römischer Herr-
schertugenden ist nahezu vollständig28. Man muß freilich beachten, daß Panta-
leon nicht nur Ferdinand, sondern auch Maximilian I., Karl V. und Maximilian
II. als Elite des von Gott auserwählten deutschen Volkes, als Verkörperung des
höchsten Tugendideals dargestellt hat29. Ebenso wie Pantaleon fand Simon
24 Die von mir benutzte Ausgabe (Cithardus, Zwo christliche tröstliche Predigt..., gedruckt bei
Cholins in Köln 1565) hatte keinerlei Seitenzählung.
25 Der dritte Teil ist fast ein „Who is Who“ des 16. Jahrhunderts. Ein Ordnungsprinzip ist nicht zu
erkennen. Der Artikel über Ferdinand I. S. 358–361 (in der – früher erschienenen – lateinischen
Ausgabe S. 371–373). Der Artikel über Seld ist sogar etwas länger (S. 337–340)! Animiert wurde
Pantaleon vielleicht durch Räte Ferdinands, die im Januar 1563 während dessen Besuch in Basel
bei ihm gewohnt hatten (Buscher, S. 109 u. S. 198f).
26 Pantaleon, S. 359, das nächste Zitat S. 358
27 S. 360f; auch zitiert bei Sutter, S. 223*, Anm. 235
28 Dazu gehören: Virtus (erläutert durch pietas und probitas), prudentia, justitia, clementia, fides,
modestia, benevolentia, lenitas (vgl. Oestreich, Stoizismus, S. 24f).
29 Buscher, S.238ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien