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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 733 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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„Imago Ferdinandi“: Zum Bild des Habsburgers in der Mit- und Nachwelt 733 ne49. Gefördert wurde das durch seine Sprachkenntnisse: Er beherrschte Spa- nisch, Französisch, Italienisch und später Deutsch und konnte selbstverständ- lich Latein50; er war in der Lage, zwischen seiner Gemahlin Anna und dem Nuntius Vergerio als Dolmetscher zu fungieren51. Beim gern vorgenommenen Vergleich der Brüder wurden nicht nur unter- schiedliche Temperamente festgestellt – Karl sei phlegmatisch, Ferdinand chole- risch –, sondern betont, daß der Jüngere viel weniger zurückhaltend sei als der Kaiser, über alles rede, dabei aber oft vom Thema abschweife52 – eine Beob- achtung, die übrigens durch Ferdinands persönliche Briefe gestützt wird53 – und anders als sein Bruder seine Ansicht offen mitteile54. Er sei beherrscht, werde nur sehr selten zornig, lache mit jedermann, was seiner Würde manchmal abträglich sei, und verkehre mit den deutschen Fürsten sehr vertraulich55. Im Laufe der Arbeit ist mehrmals darauf hingewiesen worden, daß Ferdinand selbst der Ansicht war, dank seiner guten Beziehungen manche Fürsten leichter in seinem Sinne beeinflussen zu können, und das im direkten Gespräch auch versuchte. Im Unterschied zu seinem Bruder sei Ferdinand leutselig gegen je- dermann mit der Bereitschaft zuzuhören und auch zu erhören56. Einigen der etikettebewußten venezianischen Nobili erschien er bei seinen Audienzen gar zu wenig auf Distanz bedacht, ja formlos57; andere aber bemerkten, daß er Mangel an Ehrerbietung nicht dulde und nachtrage58. Ein markantes Beispiel ist Ferdinands Empörung, als der polnische Gesandte Cromer in seiner Gegenwart von Johann Sigismund Zapolya als „erwähltem König von Ungarn“ sprach; der Diplomat mußte eine scharfe Zurechtweisung des Kaisers einstecken59. Natür- lich gab es auch Menschen, die mit Ferdinand nicht gut zurechtkamen; dazu gehörte Anton Fugger, der den Habsburger zwar während der beiden Reichsta- ge in Augsburg beherbergte, ihm aber als Verhalten nachsagte: „Große Herren haben nie Unrecht, und ihr höchstes Unrecht ist summum jus“60. Als Giovanni Michiele am 22. Juli 1564 vor dem Großen Rat von Venedig seinen Vortrag hielt, ließ er es anstelle einer eingehenden Charakterisierung des im Sterben liegenden Kaisers bei der Würdigung bewenden, man werde mit ihm 49 Fiedler, S. 214 (Soranzo 1563); auch der englische Gesandte Chalonner zeigte sich von Ferdi- nands vielseitigen Kenntnissen und seiner Höflichkeit beeindruckt (Stevenson 1, S. 63ff: an Kö- nigin Elisabeth, 2.1.1559). 50 Hilger, S. 134 u. S. 138; Alberi 1/1, S. 456. Der Humanist Nikolaus Mameranus attestierte ihm außerdem Ungarisch, Böhmisch und Slavisch (Didier, S. 178). 51 NB I 1, S. 230f; Schutte, S. 60 52 Alberi 1/1, S. 356; Fiedler, S. 55; zum Teil übersetzt von Andreas, S. 214f. 53 FK 3, S. XIII 54 „il re non lo può dissimulare e apertamente dimonstra qual sia l’anima suo“ (Alberi 1/1, S. 356 – B. Navagero 1546). 55 Alberi 1/1, S. 458f (Lorenzo Contarini 1548) 56 Goetz, Finalrelation, S. 293; ein Kollege berichtete, jeder arme Bauer dürfe und solle ihm seine Bitte persönlich vortragen (Alberi 1/1, S. 456f). 57 Andreas, S. 175; schon Ranke, Zeiten, S. 23 Anm 2 hat diese Stellen zitiert. 58 L. Mocenigo (Hilger, S. 138); Suriano (Goetz, Finalrelation, S. 293) 59 Ferdinand berichtete Maximilian am 25.3.1562 über den Vorfall (HHStA Wien, Polonica 11 Konv. 1562, fol 54r-55v). 60 Zitiert nach Kellenbenz, S. 113f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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