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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN232
verschiedenen Zweigen der Literatur, unter denen die von österreichischen
Verfassern oder einen vaterländischen Gegenstand behandelnden die Mehr-
zahl bilden“, doch stelle dieser Bestand den geringsten Teil dar. Der Großteil
seien „Widmungsschriften als Merkzeichen der Loyalität“, die in Form von
Adressen, Glückwünschen oder Gedenkblättern anlässlich der Regierungs-
und Hochzeitsjubiläen, der Geburt der kaiserlichen Kinder und wichtiger po-
litischer Ereignisse im Zuge von Audienzen und auf Reisen überreicht wor-
den waren. Der Buchbestand mache bisweilen noch den kleineren Teil der
Bibliothek aus, da die aus der Hofbibliothek bereits zurückbeorderten Titel
hier noch keine Berücksichtigung hätten finden können. Die derzeitige La-
gerung werde abgesehen von den klimatischen Bedingungen auch dem Wert
der Objekte in keiner Weise gerecht, da für die „größtentheils kostbaren
Einbände“ eine Aufstellung empfehlenswert sei, „wo sie mehr in die Augen
fallen und leichter vor dem zerstörenden Einflusse des Staubes geschützt
werden können“. Dies gelte auch für die Widmungsschriften,
„welche fast durchwegs eine reiche, mitunter kostbare und künstlerisch aus-
geführte Ausstattung zeigen, und, wenn sie ihres Zweckes würdig aufgestellt
werden sollen, eine innere Anordnung des Locales beanspruchen würden, wie
sie in dem ihnen zugewiesenen Raume weder haben noch haben können. Sie
sind theils in den Umschlägen, in denen sie übergeben wurden, theils in Papier-
pakete gewickelt, um sie vor Staub zu bewahren, in jenen offenen Fächern hin-
terlegt, die im Locale zu Gebote stehen. Was nun insbesondere diese Widmungs-
schriften anbelangt, so scheint es mir schon der äußere Anstand zu fordern,
dass für ihre Einreihung und Aufbewahrung mehr Sorgfalt verwendet werde,
als bisher geschah und – ich muß zur Entschuldigung des dabei betheiligten Be-
amten hinzufügen – als bisher geschehen konnte, wenn man in Betracht zieht,
dass das betreffende Locale ohne Rücksicht auf einen ganz besondern Zweck
eingerichtet wurde, dass mein verstorbener Vorgänger über gewisse Zweige
seines Geschäftskreises besondere und sehr beharrlich verfochtene Ansichten
hatte und dass für die allerhöchste Privatbibliothek bisher keine Dotation und
eben so wenig ein Fond besteht, woraus die zur Aufstellung und sichern [sic]
Aufbewahrung unerlässlichen Kosten bestritten werden könnten.“731
Finanzielle Mittel würden auch fehlen, um die ebenfalls zahlreichen, le-
diglich broschierten, Bücher mit einem anständigen Einband versehen zu
lassen. Wenn Khloyber de facto auch korrekt gehandelt habe, das Budget
für die Fideikommissbibliothek nicht auch hierfür zu verwenden, so wäre
es Beckers Ansicht nach zumindest seine Pflicht gewesen, diesen Umstand
731 Ebenda, pag. 49.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken