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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN274
franzisko-josephinischen Privatbibliothek zugewiesenen Dachbodenräum-
lichkeiten aufgrund der extremen Temperaturschwankungen völlig unge-
eignet waren.895 Die Komplettierung der aus dem Nachlass überkommenen
unvollständigen Werke, vor allem der Austriaca und zweier französischer
Publikationen, wurde bereits in Abschnitt 5.6.5. besprochen. Am Ende sei-
nes ausführlichen Berichts hebt Becker die Leistungen seiner Untergebenen
hervor. Neben Kustos Carl Post, der den Großteil des Arbeitsaufkommens
zu leisten hatte, sei Georg von Thaas Mitwirken äußerst hilfreich gewesen,
da dieser die Bibliothek seinerzeit in Prag ja aufgestellt und katalogisiert
hatte. Aber auch alle anderen Mitarbeiter hätten ihren Anteil zu leisten ge-
habt, Karpf und Schaffer im Zuge der Beschreibung der Werke und ihrer
Standortzuweisung, Zörner und Elsner infolge der „Dislocirung und Aufstel-
lung“ der Bücher und Portefeuilles. Der Bibliotheksvorsteher bittet um „die
allerhöchste Anerkennung“ für sie.896 Diese Belobigung wird allen ausge-
sprochen und Becker zugleich das Komturkreuz des Franz-Joseph-Ordens
verliehen.897
Als krönenden Abschluss stattet Franz Joseph der Fideikommissbiblio-
thek am 18. Mai 1877 einen Besuch ab, im Zuge dessen ihm Becker, „so weit
dies ohne Ermüdung angieng“, die Platzproblematik schildert. Da der Be-
stand der Privatbibliothek Franz Josephs besonders darunter leidet, stellt
der Sammlungsleiter im Anschluss die schriftliche Bitte, zumindest diesen
bald in die freiwerdenden, feuer- und wettersicheren Räume des Münz- und
Antiken- sowie des Mineralienkabinetts transferieren zu dürfen. Des Weite-
ren erinnert er daran, dass er schon im Zuge der Übersiedelung der Ferdi-
nandea nach Wien und ihrer abermaligen Katalogisierung die Vermutung
ausgesprochen habe, dass neuerlich Dubletten entdeckt werden könnten und
er alsdann einen entsprechenden Antrag hinsichtlich deren Verteilung ma-
chen würde. Man sei dabei so verfahren, dass man bei völlig gleicher Auflage
das schöner gebundene Exemplar und bei unterschiedlichen Auflagen beide
behalten habe. Der Abgleich habe nun 552 Dublettentitel in 1.153 Bänden,
98 Heften und drei Portefeuilles erbracht. Als Empfänger für diese Bücher
empfiehlt er die schlechtdotierte Bibliothek der 1875 gegründeten Franz-Jo-
seph-Universität in Czernowitz, da diese erst im Aufbau begriffen sei und
viele der Publikationen noch nicht besitze. Außerdem sei dort Deutsch als
Unterrichtssprache in Verwendung.898 Nach erfolgter kaiserlicher Genehmi-
895 Vgl. dazu auch Anm. 738.
896 FKBA28062, fol. 1–6, Bericht vom 19.03.1877; zur Rolle der Künstler vgl. auch Ab-
schnitt 2.5.
897 FKBA28062, fol. 7–8, vgl. auch Anm. 1182.
898 FKBA28074, fol. 1–4, Bericht vom 25.11.1877.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken