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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 305
Bezahlung der Kosten für die Fideikommissbibliothek nach der Teilung der
Privatkasse ja seit 1. Jänner 1850 übernommen.982 Zugleich wird Khloy
ber
aufgefordert anzugeben, wann und welcher Person er das letzte Mal Re-
chenschaft über die Finanzen der Sammlung abgelegt habe. Dieser letzte
genehmigte Bericht sei dem verlangten Voranschlag beizulegen.983 Bereits
am 20. Oktober beziffert der Vorsteher der Ausgaben für das Jahr 1853 mit
etwa 3.491 fl. (ohne Personalkosten) und referiert überdies, dass sein letzter
Rechenschaftsbericht das Jahr 1847 betroffen habe.984 Hinsichtlich der an
ihn gestellten Frage (wem gegenüber er zuletzt Rechenschaft abgelegt hat)
beruft er sich zunächst auf ein Schreiben des Kaisers Franz I. vom 12. De-
zember 1812, demzufolge „der Vorstand der Allerhöchsten Privatbibliothek
sich in Allem und Jedem unmittelbar an die Allerhöchste Person Seiner Ma-
jestät zu wenden hatte“.985 Bedingt durch die politischen Wirren der Jahre
1848 und 1849 „erhielt dieser Geschäftsgang eine Unterbrechung, so daß
nun über die Jahre 1848 […] bis Ende des gegenwärtigen Jahres 1852 ein
Gebahrungs Ausweis zu unterbreiten kommt, welchem ich nun nach der bis-
herigen Uebung im Verlaufe des nächstes Jänners, wo die Conti alle besam-
men seyn werden, aller unterthänigst nachzukommen verpflichtet bin.“986
Khloyber gesteht also indirekt ein, säumig gewesen zu sein und bittet zu-
gleich um eine Frist, diese Bringschuld erledigen zu können. Er erläutert
weiters, dass es eine langjährige Praxis gewesen sei, die jährliche Dotation
von 4.800 fl. durch außerordentliche finanzielle Zuwendungen zu vermeh-
ren, um alle notwendigen Ausgaben begleichen zu können. Seit 1848/49 habe
sich auch in dieser Hinsicht einiges geändert und die Aufwendungen seien
zurückgegangen.987
Am 7. November 1852 teilt Obersthofmeister Graf Bombelles als Reak-
tion auf den von Khloyber zitierten Befehl von 1812 mit, dass Kaiser Ferdi-
nand ihm [Bombelles] „die Führung aller Seiner Geschäfte übertragen und
an [ihn] die entsprechende Vollmacht ausgestellt“ habe. Darum erwarte er
sich Berichterstattung in allen bibliotheksspezifischen Belangen. Er bemän-
gelt, dass im eingereichten Voranschlag für 1853 nur die Erfordernisse für
Buch- und Kunsthändler sowie für Kanzleiausgaben berücksichtigt worden
seien, Besoldungen, Quartiergelder, Zulagen und Pensionen hingegen fehlen
982 Vgl. dazu das vorhergehende Kapitel.
983 FKBA26018, fol. 1r–v.
984 Vgl. FKBA25142, vorgelegt am 08.03.1848, von Kaiser Ferdinand beantwortet in Inns-
bruck, den 27.05.1848.
985 Tatsächlich eine Resolution vom 20.12.1812 „[…] worüber die Rechnung unmittelbar Mir
zu legen ist.“, FKBA01012, fol. 11r.
986 FKBA26018, fol. 3v–4r.
987 Ebenda, fol. 4r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken