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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN314
wie Privatbibliothek auf gleiche Weise beschädigt vorkommen. Die nächste
Veranlassung zu dieser so allgemein verbreiteten Erscheinung liegt zunächst
in dem damals allgemein üblichen Verfahren der Buchbinder, Leim oder un-
gesäuerten Kleister zu verwenden. Erst in neuerer Zeit gelang es durch aus-
schließenden Gebrauch von Kleister, der durch einen Zusatz von Alaun gesäu-
ert ist, durch Verwendung möglichst fester Dekel [sic] und besonders durch die
Wahl des Juchtenleders zu den Einbänden diese lästige Erscheinung beinahe
ganz verschwinden zu machen. In dieser Weise sind auch die neueren An-
schaffungen der a.h. Fideicommiß gebunden und vollkommen wohl erhalten.
Bey der so eben vollendeten Revision des gesammten Bestandes der a.h. Fidei-
kommißbibliothek wurden nun alle irgend wahrnehmbaren Beschädigungen
einzelner Bände durch Wurmfraß oder auf andere Weise, mit einer in man-
chen Fällen fast allzugroßen Sorgfalt verzeichnet. Und nur durch Hinzurech-
nung aller bisher broschirt aufgestellten Werke minderen Belanges, kleinere
Reparaturen u. s. w. konnte die Summe derselben auf circa 5000 Bände sich
belaufen. Bey der großen Pracht und Schönheit der Mehrzahl der Einbände
der a.h. Fideikommißbibliothek erscheint es jedenfalls sehr wünschenswerth
und nöthig auch den Rest, deßen Äußeres beschädigt oder unscheinbar zur
besseren Erhaltung und Entfernung jeder möglichen Gefahr auf eine dem
Werthe jedes einzelnen Werkes entsprechende Weise nach und nach binden
zu lassen. Es ist jedoch kein dringendes Erforderniß diese Umgestaltung in
der ganzen Ausdehnung gleich jetzt in Angriff zu nehmen und im Laufe eines
Jahres zu vollenden, da letzteres ohnedieß mit der nöthigen Rücksicht auf so-
lide Ausführung der Arbeit kaum möglich seyn würde. Die befürchtete Gefahr
einer raschen Weiterverbreitung des Wurmfraßes durch Anstekung [sic] noch
gesunder Bände stellt sich, wenigstens nach der an der kaiserlichen Hofbib-
liothek gemachten langjährigen Erfahrungen, als nicht sehr bedeutend dar,
sollten auch bey der alljährlichen Reinigung der a.h. Fideikommißbibliothek
in einem oder dem andern schon länger schadhaften Bande zuweilen noch
einige lebende Würmchen aufgefunden werden. Die Vornahme der beantrag-
ten umfaßenden Restaurazionen könnte demnach ohne große Gefahr für das
übrige werthvolle Materiale der Bibliothek, leicht auf einige Jahre vertheilt
werden und würde auf diese Weise nicht in einem Jahr den ganzen Betrag in
Anspruch nehmen.
Zur Ermittlung ob der Werth dieser neuzubindenden Werke eine so nam-
hafte Auslage rechtfertigen läßt, glaubte ich vor allem das Inventar der Bib-
liothek weiland Ihrer kaiserlichen Hoheit der höchstseligen Frau Erzherzogin
Marie Elisabeth durchsehen zu müßen, da diese Sammlung die bedeutendste
Zahl beschädigter Bände enthält. Werke der französischen und besonders
deutschen Nationalliteratur, letztere im Fache der Romane in großer Voll-
ständigkeit, bilden den Hauptinhalt. Zeugen der Geschmaksrichtung [sic]
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken