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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 319
wurde. Dem Wunsch Khloybers entsprechend wird ihm „zur Bestreitung der
Handauslagen“ ein Budget von jährlich 800 fl. in monatlichen Raten aus der
ferdinandeischen Privatkasse in Wien angewiesen. Sollte dieses zu gering
bemessen sein, so könne der Betrag späterhin noch aufgestockt werden.1018
Der Bibliotheksvorsteher bittet daraufhin, die erhaltene Weisung auch auf
Rechnungen der Buchbinder auszudehnen, um allfällige Missverständnisse
von vorneherein auszuräumen. Auch diesem Wunsch wird seitens des
Obersthofmeisteramtes nachgekommen.1019 Dass es sich hier um keine be-
grifflichen Spitzfindigkeiten handelt wird zu Jahresende 1865 offensicht-
lich, als Khloyber moniert, dass die Fondskasse sich plötzlich weigere, die
Kunsthändlerrechnungen des vergangenen Jahres (u. a. von Artaria) zu
begleichen, wiewohl diese die Jahre zuvor unbeanstandet bezahlt worden
wären. Als Begründung sei ihm genannt worden, dass in der obersthofämtli-
chen Weisung vom 18. Dezember 1853 „blos die Buchhändler nicht zugleich
die Kunsthändler erwähnt sind“.1020 Intendant Geringer weist daraufhin die
Fondskassen-Direktion an, künftighin alle von Khloyber vorgelegten und
kontrollierten Rechnungen der Fideikommissbibliothek zu bezahlen.1021
Auffassungsunterschiede herrschten zwischen Bombelles und Khloyber
auch hinsichtlich der abgeforderten Voranschläge für die Ausgaben. Für das
Jahr 1854 reicht der Bibliotheksvorsteher lediglich eine Übersicht zu den
Personalkosten ein, woraufhin der Obersthofmeister nachdrücklich darauf
hinweist, dass „außer diesen fixen mir ohnehin bekannten Auslagen auch
auf die beiläufigen Auslagen auf Anschaffungen von Werken, Mappen, Kup-
ferstichen etz. Rücksicht zu nehmen ist“.1022 In seiner Rechtfertigung ver-
weist Khloyber auf den summarischen Bericht für 1853 und auf den Um-
stand, dass unter Kaiser Franz jährlich außerordentliche Zuzahlungen
notwendig gewesen waren, um sowohl Neuanschaffungen als auch die Fort-
setzungslieferungen begleichen zu können. Er will damit vermutlich ausdrü-
cken, dass jedes Jahr ohnehin schon der volle, (theoretisch) zur Verfügung
stehende, Dotationsbetrag ausgeschöpft werden muss, um einigermaßen
über die Runden zu kommen.1023
Zu Beginn des Jahres 1854 legt Khloyber über das zweite Semester 1853
Rechenschaft ab. Schlussendlich seien 72 fl. 42 kr. als Kassaguthaben ver-
blieben. Er bittet um Anweisung, ob dieser Betrag ebenfalls an die Privat-
1018 FKBA26030.
1019 FKBA26031, Schreiben vom 30.12.1853.
1020 FKBA26036, fol. 4r–v.
1021 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Sonstige Acten 1852–1874“, 7/1866.
1022 FKBA26034 (Voranschlag für das Personal), FKBA26031 (Schreiben Bombelles’).
1023 FKBA26033, unvollständiges Konzept einer Stellungnahme.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken