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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN334
gewährt Ferdinand schließlich ab 1. April eine Erhöhung des Quartiergeldes
für Khloyber auf 400 fl., für Georg Thaa und Josef Winkler auf 300 fl. (zu-
vor bezogen alle drei 120 fl.) und für den zweiten Bibliotheksdiener Johann
Mignot auf 120 fl. C.M. (vorher 80 fl.) aus seiner Privatkasse.1081 Der erste
Bibliotheksdiener Josef Wich bleibt von dieser Erhöhung ausgenommen, da
ihm die bibliotheksnahe Dienstwohnung zu diesem Zeitpunkt ja noch zur
Verfügung steht.
Ende Oktober 1865 geht von Khloyber die Initiative zur Vergrößerung
des Mitarbeiterstabes aus. In einem Schreiben an Kaiser Franz Joseph1082
kommuniziert er nicht nur seine Vorstellungen hinsichtlich der Fähig- und
Fertigkeiten des neu einzustellenden Mitarbeiters, er macht sogleich einen
konkreten Vorschlag, womit die Tendenz seines Anliegens offenkundig wird.
„Euere k. k. apostolische Majestät!
Allergnädigster Herr!
Der allerunterthänigst Gefertigte von seinem Pflichtgefühle gedrängt, waget
es zu allerhöchst Ihrer Kenntniß zu bringen; daß nach so vielen Jahren end-
lich die Zeit herangenahet ist; wo es eine dringende Nothwendigkeit erscheint,
Eure Majestät in tiefster Ehrfurcht bitten zu sollen; daß für den Dienst in Al-
lerhöchst Ihrer Privat- und Fideikommißbibliothek ein jüngeres Individuum
bei Zeiten herangezogen und von dem gegenwärtigen altgedienten Personale
eingeübt werden dürfte; und zwar aus nachstehenden Gründen: Bis jetzt ist
der Bibliotheksdienst durch 3 Beamte, nämlich durch einen Vorstand – einen
Scriptor und einen Kanzlisten; denen zwei Diener beigegeben sind – versehen
worden. […] Nun aber ergibt sich überdieß, daß von diesen 3 Individuen, Jedes
über 40 Jahre seiner Dienstzeit aufzuweisen hat; folglich dieselben sich in ei-
ner Lebensperiode befinden, wo eine Vorsorge für einen tauglichen Nachwuchs
angedeutet sein dürfte. Jeder Neuling und hätte er bereits die beste Befähi-
gung, wird noch immer einiger Zeit bedürfen, um sich in so manchen Eigenhei-
ten zurecht zufinden; um so mehr, wenn er seinen Blick auf die verschiedenen
hierortigen aus mehr als 110 Foliobänden bestehenden Kataloge wirft.
1081 FKBA26077. Verfügungen im Namen Ferdinands, ausgestellt vom Direktor der k. k.
Privat- u. Fideikommiss-Cassen-Direktion, Hofrat Carl Seifert, sowie das Konzept des
überschwänglichen Dankschreibens Khloybers an Ferdinand, in dem dieser ihn als „den
Gütigen“ bezeichnet. Das Originalschreiben Ferdinands liegt unter Wien, ÖStA, HHStA,
GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Sonstige Acten 1852–1874“, Schreiben vom 14.06.1863.
1082 Warum die Eingabe an Franz Joseph und nicht an Ferdinand gerichtet wurde, ist unklar.
Möglicherweise war es Khloyber bewußt, dass man Entscheidungen dieser Art dem Kai-
ser in Wien überlassen werde.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken