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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 337
gewiss jedoch bei Kanzlist Josef Winkler, da der unerfahrene Neuling ei-
nen höheren Titel und ein in etwa gleich hohes Gehalt erhielte. Hinsichtlich
Khloybers Finanzierungsvorschlag lässt der Kaiser daran erinnern, dass die
Höhe des jährlichen Gesamtbedarfs jeweils vom zuvor eingebrachten Vor-
anschlag abhänge und generell mit 12.000 fl. begrenzt sei (Khloyber war in
seiner Berechnung ja von 12.600 fl. ausgegangen). Schlussendlich überlasse
es Ferdinand jedoch Kaiser Franz Joseph zu bestimmen. „ob die Zahl der
Beamten der Fideikommißbibliothek vermehrt werden soll, welche Genüße
[…] ausgemessen werden, und auf wen die Wahl […] fallen soll“. Man bitte
lediglich darum, von der Entscheidung in Kenntnis gesetzt zu werden, um
die (ferdinandeische) Privatkasse in Wien entsprechend instruieren zu kön-
nen.1086 Die konstruktive Kritik aus Prag außer Acht lassend, ernennt Fidei-
kommisskurator Erzherzog Leopold Josef Thaa1087 nach Genehmigung durch
Franz Joseph mit 1. Februar 1866 und einem Gehalt von 840 fl. ö.W. und
315 fl. Quartiergeld „auf Rechnung der Dotation“ zum „Offizialen“.1088 Um
Kanzlist Winkler ruhig zu stellen, wird dieser „in Anbetracht seiner langen
und ersprießlichen Dienstleistung“ neben Thaa sen. zum (zweiten) Skrip-
tor, allerdings ohne Gehaltsaufbesserung, ernannt.1089 In Prag ist man über
die Vorgehensweise äußerst verärgert. Zwar nicht Kaiser Ferdinand selbst,
sehr wohl aber sein Intendant Franz Geringer, der als graue Eminenz im
Hintergrund fungiert, die, obwohl dem Obersthofmeister Ferdinands unter-
stellt, doch anscheinend die tatsächlichen Fäden in der Hand hält. In einem
inoffiziellen Brief Geringers an den Kabinettsdirektor Franz Josephs, Adolf
Braun, vom 28. Februar 1871, der sich im Bestand der Direktionsakten der
Kabinettskanzei im Haus-, Hof- und Staatsarchiv erhalten hat, nimmt die-
ser auf die Ereignisse rund um die Besetzung Thaas, die Zustände in der
Bibliothek unter Khloybers Führung und die Kompetenzüberschreitungen
des Fideikommisskurators Erzherzog Leopold Bezug.
1086 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 6, 9–1871, Schreiben vom
23.01.1866.
1087 Geboren am 21.11.1834 in Wien, ab 24.10.1857 Konzeptspraktikant bei der k. k. öst. Fi-
nanzlandesdirektion, ab 26.12.1859 Konzipist bei der k. k. Finanzlandesdirektionsab-
teilung Pressburg, ab 09.09.1861 Konzeptsadjunkt an der k. k. Wiener Polizeidirektion;
siehe FKBA27007, fol. 1r.
1088 Anweisung Ferdinands an Fondskassen-Direktor Seifert vom 31.01.1866 liegt unter
Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Sonstige Acten 1852–1874“.
1089 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 6, 9–1871, Schreiben vom
28.01.1866; siehe auch FKBA26091 Note an Polizeidirektor Hofrat Joseph Strobach mit
der Aufforderung zur Überstellung Thaas in den Bibliotheksdienst, von Erzherzog Leo-
pold ausgestellte Ernennungsdekrete sowie der unterzeichnete Diensteid Josef Thaas.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken