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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 341
Die Beträge werden zur Auszahlung aus der Fideikommisskasse in Wien
angewiesen und Intendant Geringer beauftragt, Waelty und Khloyber davon
in Kenntnis zu setzen.1098 Die Eidesablegung und Unterfertigung des Dienst-
eides1099 erfolgt am 3. Februar 1867 – ein Etappensieg für Geringer, der
allerdings nicht lange währt. Der aus Feldkirch in Vorarlberg stammende
Waelty stirbt bereits im Folgejahr am 19. März 1868 – 55-jährig und ledig –
an Lungentuberkulose.1100 Da die Aktenstücke über ihn beinahe zur Gänze
im Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegen, blieb er in den bisherigen Abhand-
lungen zur Geschichte der Fideikommissbibliothek unerwähnt.
Von der Erhöhung der Quartierszulagen für die Schreibkräfte und dem
passablen Gehalt für Waelty angespornt, bittet der zweite Bibliotheksdiener
Johann Mignot im März 1868 um eine entsprechenden Gehaltsaufstockung
und erhält neben einer Absage noch eine Rüge durch Intendant Franz Ge-
ringer den korrekten Dienstweg über Vorsteher Khloyber nicht eingehalten
zu haben. Ihm wird jedoch eine einmalige Aushilfe von 60 fl. ö.W. zuerkannt
und bei einem ähnlichen Gesuch im April des Folgejahres erhält er noch-
mals 50 fl. ö.W. jeweils aus der ferdinandeischen Privatkasse in Wien.1101 Die
Gründe für die Aushilfszahlung werden nicht genannt.
Am 17. Mai 1869 verstirbt Bibliotheksvorsteher Khloyber kurz vor seinem
80. Geburtstag und im aktiven Dienst stehend an Altersschwäche.1102 Die
mit ihm in Zusammenhang stehenden Ereignisse nach seinem Tod wurden
vom Autor bereits an anderer Stelle dargelegt.1103
5.11.2 Ära Becker
Der erste Skriptor Georg Thaa führt nach Khloybers Tod die Geschäfte bis
zur Entscheidung über die Nachbesetzung der Sammlungsleitung, wiewohl
er sich nach dem Tod Waeltys natürlich neuerlich berechtige Hoffnungen
macht, selbst mit dieser Aufgabe betraut zu werden. Das Kräftemessen be-
ginnt also von Neuem. Die ebenfalls erhaltene inoffizielle Korrespondenz
zwischen dem Intendanten Franz Geringer in Prag und dem Kabinettsdirek-
tor Franz Josephs in Wien, Adolf Braun, lässt erahnen, wie nun hinter den
1098 Ebenda, Schreiben vom 23.01.1867. Das Schreiben Ferdinands an Fondskassen-Direktor
Seifert vom selben Tag liegt unter Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF Ä.R., Kt. 11, Fasz. „Sons-
tige Acten 1852–1874“, 2/1867.
1099 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 5, 4–1869.
1100 Wiener Zeitung Nr. 72 v. 24.03.1868, 1013; Wien, Pfarre St. Michael (Michaelerkirche),
Sterbebuch 1845–1870, fol. 191.
1101 FKBA26110 u. FKBA26121.
1102 FKBA26124.
1103 Huber-Frischeis/Knieling/Valenta, Privatbibliothek, 150f.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken