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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 359
ausgezeichnete Fachkenntnis, seine Umsicht und unermüdete angestrengte
Thätigkeit möglich geworden sei, die Bibliothek in so kurzer Zeit zu ordnen.
In gleicher Weise wurde Georg Thaa im Vertrauen auf seine bewährte Fach-
kenntnis und Gesinnung von Ihrer kaiserlichen Hoheit der durchlauchtigsten
Frau Erzherzogin Sophie mit der Eintheilung, Aufstellung und Katalogiesie-
rung [sic] höchst-Ihrer Bücher und Bilderwerke beauftragt und unterzog sich
dieser Aufgabe in seinen amtsfreien Stunden mit dem an ihm gewohnten um-
sichtigen Eifer.“1164
Als weiterer Verdienst sei ihm anzurechnen, dass er nicht schon 1869 um Ver-
setzung in den Ruhestand angesucht hatte, als ihm Becker als Bibliotheks-
vorstand vorgezogen wurde, obwohl ihm sein volles Ruhegehalt nach über 40
Dienstjahren sicher gewesen wäre. Es habe vielmehr seinem Pflichtgefühl
widerstrebt „dies zu einer Zeit zu thun, wo seine Mitwirkung bei einer um-
fassenden und der Bibliothek zur Ehre gereichenden Arbeit [der Erstellung
des gedruckten Katalogs] vielleicht als wünschenswerth erachtet würde und
er stell[t]e sich demnach mit seiner Kraft auch weiterhin zur Verfügung“.
Bei der Würdigung seiner Leistungen als Grundlage zur Auswahl einer ad-
äquaten Auszeichnung sei ein weiterer Umstand berücksichtigungswert, der
jedoch auf Thaas gleichnamigen Sohn Bezug habe. Dieser – ein Sektionsrat
im Handelsministerium – war aufgrund seiner Mitarbeit in der österreichi-
schen Kommission für die Weltausstellungen in London 1862 und Paris 1867
zum Chef des Präsidialbüros für die Wiener Weltausstellung 1873 ernannt
worden. Ein Zerwürfnis zwischen dem Handelsminister Anton Banhans und
dem Generaldirektor der Wiener Weltausstellung, Wilhelm von Schwarz-Sen-
born, habe jedoch dazu geführt, dass Thaa (Sohn) aufgrund seines Engage-
ments in Ungnade fiel. Besonders zermürbend sei für ihn gewesen, dass ein
jüngerer Beamter für eine ähnliche Tätigkeit mit dem Eiserne-Krone-Orden
ausgezeichnet wurde, während Thaa undekoriert blieb, was seinen Vater sehr
verbitterte. Becker rät daher, Thaa (Vater) in Anerkennung seiner verdienst-
vollen Tätigkeit in der Bibliothek und stellvertretend für seinen Sohn eben-
diesen Eiserne-Krone-Orden dritter Klasse zu verleihen. Mit der Nachbeset-
zung der Stelle könne noch zugewartet werden, bis man zur Drucklegung des
Katalogs schreite, da sich Thaa bereiterklärt habe, die von ihm begonnenen
Arbeiten zu vollenden. Becker bittet anstatt dessen – nicht zuletzt aufgrund
dieser Kostenersparnis – um einen Pauschalbetrag von monatlich 50 fl. zur
Anstellung eines weiteren Hilfsarbeiters. Kaiser Franz Joseph genehmigt alle
Anträge mit 23. November 1874,1165 offiziell wird dies von Kaiser Ferdinand
1164 FKBA27085, fol. 2v–3r.
1165 Ebenda, fol. 9r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken