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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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Page - 370 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung

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DREI KAISER – DREI BIBLIOTHEKEN370 nicht nur viel Arbeitszeit in ihre Katalogisierung aufgewendet; die Einglie- derung der Ferdinandea in die franziszeische Privatbibliothek (jetzt Fidei- kommissbibliothek) hätte letzterer auch zu jenen seit 1835 erschienenen Werken verhelfen können, die ihr aufgrund des von Ferdinand verfügten Verbots für Neuankäufe entgangen waren. Ab 1850 sind also für zweieinhalb Jahrzehnte zwei Schauplätze zu beobachten. Während sich die Ferdinandea in Prag weiter vergrößert und unter der Leitung des Geistlichen Nikolaus Negrelli die Bibliothek für das abgedankte Kaiserpaar und einige Mitglieder des dortigen Hofstaates bleibt, arbeitet man in Wien weiter mit Hochdruck an der Erstellung der Inventarbände als Anhang zur Fideikommissurkunde. Erst 1859/60 kann dieser Prozess mit einer finalen gerichtlichen Inventur abgeschlossen werden. Gleichzeitig werden sowohl ein Fideikommisskura- tor als auch eine Fideikommissbehörde eingesetzt. In diesen ersten Jahren nach dem Regierungswechsel wird der Fideikommissbibliothek die Privat- bibliothek Franz Josephs zur Seite gestellt, deren Nukleus auf Grundlage der heute bekannten Quellen nicht klar fassbar ist. Sie stellte zunächst wohl größtenteils eine Sammlung von persönlichen Geschenken und Huldigungs- schriften dar und nimmt, was den Buchbestand anbelangt, vermutlich erst substanzielle Gestalt an, als Franz Joseph – der anders als sein Onkel und sein Großvater kein bibliophiler Büchersammler war – ab 1848 als Kaiser von Österreich Adressat zahlreicher Buchgeschenke wird. Dies allerdings nur theoretisch, weil Franz Joseph die meisten an ihn gerichteten Druck- werke bis 1870 zunächst an die Hofbibliothek übergeben ließ. Die durch die Abdankung Ferdinands entstandene eigentümliche Situa- tion, dass der rechtmäßige Fideikommissherr nicht (mehr) gleichzeitig Kai- ser von Österreich und Chef des (Herrscher)Hauses ist, führt zusammen mit der Tatsache, dass der Fideikommissherr nicht einmal in der Nähe des Aufstellungsortes des Fideikommissbibliothek residierte, unweigerlich zu Spannungen unter den zuständigen Beamten. Konkret zwischen dem In- tendanten Kaiser Ferdinands in Prag, Hofrat Franz Geringer, und Biblio- theksvorsteher Khloyber in Wien. Grundlegendes Misstrauen entsteht, als Khloyber nach 1848 über Jahre hinweg keine Jahresberichte über die finan- ziellen Gebarungen der Fideikommissbibliothek vorlegte, deren Kosten ja von Ferdinand zu tragen waren. Als diese schließlich 1852 eingemahnt wer- den, offenbart sich ein über die Zeit aufgebautes Kassenguthaben von über 5.800 fl., also von mehr als einer Jahresdotation. Khloyber kann zwar kein Vorwurf bezüglich des Zustandekommens dieses Betrages gemacht werden, ihm wird aber angelastet, diesen Umstand nicht schon früher und eigen- initiativ an höherer Stelle gemeldet zu haben. Die damit angeschlagene Ver- trauensbasis wird weiter erschüttert, als er zur teilweisen Rechtfertigung seiner Handlung einen Vorschlag zur Investition dieses Überschusses in die Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Title
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Subtitle
Metamorphosen einer Sammlung
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Size
17.4 x 24.5 cm
Pages
1073
Categories
Geschichte Chroniken
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