Page - 371 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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RESÜMEE 371
Bestandserhaltung macht (Umbindung der von Ungeziefer befallenen Werke
der Fideikommissbibliothek aus dem ehemaligen Besitz der Erzherzogin
Maria Elisabeth), der von Fachleuten der Hofbibliothek aber verglichen mit
den geschätzten Kosten als in keinem Verhältnis zum Wert dieses Bestan-
des stehend gesehen wird. Die Skepsis der fernab in Prag sitzenden ferdi-
nandeischen Beamten Khloyber gegenüber war keineswegs unbegründet,
wie sich späterhin herausstellen sollte. Das Gefühl von zu wenig Beachtung
und Wertschätzung verbitterte und verleitete ihn gleichzeitig zu fahrlässi-
gem Umgang mit neuerworbenem Sammlungsgut. Die Fronten verhärte-
ten immer mehr. Khloybers eigenmächtiges Agieren führt schließlich zum
Ende seiner Verwaltungsbefugnis über den Großteil der Bibliotheksdotation.
Auch bei den Vorstellungen hinsichtlich der Personalentwicklung kommt es
zu groben Unstimmigkeiten. Khloyber gelingt es zunächst, dem Sohn sei-
nes dienstältesten Skriptors Georg Thaa auf dessen Drängen hin, mithilfe
des seine Kompetenzen überschreitenden Fideikommisskurators Erzherzog
Leopold einen Arbeitsplatz in der Bibliothek zu verschaffen. Auf Geringer
(so die Vermutung des Autors) geht daraufhin die Initiative zurück, dem an
Jahren bereits vorgerückten Bibliotheksvorsteher einen Adjunkten in der
Person des Josef Waelty mit Option zur Nachfolge zur Seite zu stellen um
einerseits einen loyalen Mann in Wien vor Ort zu wissen und gleichzeitig
den Ambitionen Georg Thaas, Khloybers Nachfolger zu werden, präventiv
entgegenzuwirken. Beiden ist keine lange Karriere beschieden; Josef Thaa
stirbt nach fünfjährigem Bibliotheksdienst 1871 im Alter von nur 36 Jahren
und Josef Waelty 55-jährig nach nur einjährigem Wirken schon 1868.
Mit dem Tod Khloybers im Mai 1869 kurz vor seinem 80. Geburtstag – er
stand bis zuletzt im aktiven Dienst – ist die Talsohle der Bedeutungskrise
durchschritten und der Bibliothekenverbund steht am Beginn einer Phase
des Aufschwungs, der bis zum Ende der Monarchie anhalten wird. Zu seinem
Nachfolger wird Moritz Alois von Becker bestimmt – eine hochgebildete und
bestens vernetzte Persönlichkeit, die für einige Jahre auch Lehrer des Kron-
prinzen Rudolf gewesen ist. Die für die Leitung der Bibliothek(en) essentiel-
len Fertigkeiten hatte sich der Pädagoge, Topograf, Historiker und Geograf
vor allem durch sein Engagement bei der von ihm mitgegründeten k. k. Geo-
graphischen Gesellschaft in Wien erworben, deren Generalsekretär er von
1868 bis 1875 war. In der Auseinandersetzung mit den dortigen Buch- und
Landkartenbeständen hatte er vermutlich jene Strategien für eine kosten-
schonende Bestandserweiterung kennengelernt, die er auch an seiner neuen
Wirkungsstätte umsetzte. Neben dem Austausch von Dubletten mit anderen
Bibliotheken und Sammlungen war es vor allem das erfolgreiche kostenfreie
Akquirieren von Publikationen wissenschaftlicher Einrichtungen, die grund-
sätzlich nicht über den Buchhandel zu bekommen waren, sondern zumeist
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken