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ANHANG 409
schaft nichts gemein haben, wissenschaftliche Werke von höchst unterge-
ordnetem Wert und in gar keiner Beziehung zu den bereits in der Bibliothek
befindlichen Werken ähnlicher Richtung. Viele dieser Bücher waren in den
ersten Lieferungen vorhanden und von einer großen Zahl von Fortsetzungen
bedroht. Auf eine solche Literatur auch nur einen Kreuzer zu verwenden,
schien mir im Widerspruch mit meiner Verantwortlichkeit, auch wohl mit
der Würde des Institutes, dem ich vorzustehen die Ehre habe und mit dem
literarischen Credit, den ich als Vorstand einer kaiserlichen Bibliothek mir
selber bewahren muß. Ich erlaube mir zu bemerken, dass die Buchhändler,
welche für die Bibliothek liefern, bei der Wahl der Bücher nicht anders als
annehmen können, sie erfolge entweder auf unmittelbare Weisung Seiner
Majestät oder nach dem Ermessen des Vorstandes. Ich glaubte demnach
correct vorzugehen, indem ich, nachdem die Übersicht dieser zweifelhaften
literarischen Erscheinungen durch ein Verzeichnis festgestellt war, die Fort-
setzung bis auf weiteres sistierte. Es scheint mir ein geringerer Verlust für
die Bibliothek, wenn solche Schriften unvollendet bleiben, da sie bei einer
künftigen Lustrierung ohnehin müßen ausgeschieden werden. Von Seite der
Buchhändler wurde diese Maßregel als eine selbstverständliche hingenom-
men und mehrere [pag. 26] erklärten sogar unumwunden, dass sie sich über
Bestellungen solcher Art immer gewundert hätten.
d.) Oben wurden im allgemeinen jene Zweige der Literatur bezeichnet, die
in der k k Familienbibliothek vorzugsweise vertreten sind. Bei einem der-
selben, der mir ganz im Zwecke der Sammlung zu liegen scheint und in der
ersten Zeit sorgsam gepflegt wurde, muss ich bedauern, dass er in den letz-
ten dreißig Jahren ganz unbeachtet blieb. Ich meine das Forst- und Jagdwe-
sen123, über welches die Bibliothek aus älterer Zeit wertvolle Bücher besitzt.
Seit den ältesten Zeiten fand die Jagd in ihrer edelsten Form ausgiebige und
warme Pflege am Wiener Hof; im fünfzehnten Jahrhundert wurde sie durch
Kaiser Maximilian I. ein wichtiger Factor der Culturentwicklung, da deut-
sche Fürsten und fremde Herrscher bei der Organisation des Jagdwesens
des Kaisers „Jagdregel“ zum Muster nahmen; unter Maria Theresia giengen
[sic] von Österreich die wichtigsten Maßregeln zur Organisierung des Forst-
und Jagdrechtes so wie der Forstgesetzgebung aus; und Seine Majestät un-
ser jetzt regierender Kaiser und Herr wird gewiss von jedermann als ein so
großer Freund und Förderer des Jagdwesens angesehen werden, dass der
Wunsch gerechtfertigt erscheint, dieses Literaturfach in der Bibliothek be-
sonders gehegt zu sehen. Seit ich die Leitung der Bibliothek übernahm und
von den vorhandenen Werken über Jagd-[pag. 27] und Forstwesen Einsicht
habe, hielt ich es für angezeigt, beim Bücherankauf wenigstens die neue-
123 Unterstreichung mit blauem Buntstift, zuvor bereits von Becker mit Tinte unterstrichen.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken