Page - 412 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Image of the Page - 412 -
Text of the Page - 412 -
DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN412
einigte und in ihrem Inventar mitbegriffene Kunstsammlung, welche in ei-
nem von der Bibliothek gesonderten Locale untergebracht und von ihr auch
durch eine besondere Aufstellung und Adjustierung, so wie durch eine beson-
dere Führung von Katalogen unterschieden ist. Sie begreift in sich: [pag. 31]
a) die Sammlung von Kunstblättern nach den verschiedenen Schulen der
Malerei und Sculptur, beiläufig 12400 Stück. (Da sie im Kataloge mit der fol-
genden Sammlung laufen, so kann ich die Zahl vorläufig nur approximativ
angeben);
b) die Sammlung von Ansichten und ethnographischen Bildern aus ver-
schiedenen Ländern, namentlich der oesterreichischen Monarchie – beiläu-
fig 10000 Stück.
c) Die aus dem Besitz des Physiognomen Lavater stammende Sammlung
von Kunstblättern und Handzeichnungen mit autographen Characteristiken
im Sinne der von Lavater gepflegten Wissenschaft, –22100 Blätter; endlich
d) die Sammlung von Porträten, insofern diese in besondern Portefeuil-
les eingestellt sind, also mit Ausschluss aller, die sich in den Büchern der
Bibliothek zerstreut finden, und jener, die zwar vorhanden, aber noch nicht
beschrieben und eingetheilt sind; –130000 Stück.
Ad a). Der größte Theil der Kunstblätter – Kupferstiche aus den bedeutends-
ten Epochen der Kunstentwicklung meist mit vorzüglicher Auswahl – war
schon bei Gründung der Bibliothek vorhanden. Sie wurden im Verlauf der
Zeit – soweit ich mich orientieren konnte – zumeist durch directe Zuwei-
sungen Seiner Majestät des Kaisers Franz und namentlich Ihrer Majestät
der Kaiserin Carolina Augusta vermehrt, ohne dass der Bibliotheksvorstand
einen erheblichen Einfluss auf Wahl oder Ankauf genommen hätte. [pag. 32]
Mit dem Tode Seiner Majestät Franz I. hörte der Zufluss von Beiträgen zu
der Sammlung gänzlich auf und sie blieb – wenn man den fortgesetzten Be-
zug von Blättern einzelner oesterreichischer Künstler, zu denen der Vor-
stand von früher her verpflichtet war und einzelne neuere Kunstblätter, die
derselbe aus den laufenden Mitteln anschaffte, in Abschlag bringt – bis auf
den heutigen Tag in dem Stadium der Entwicklung, wie zur Zeit des Hin-
scheidens ihres kaiserlichen Gönners und Förderers. Die Verhältnisse, unter
denen ich die Leitung der Bibliothek übernahm, bestimmten mich, von einer
Vermehrung dieser Sammlung vorläufig abzusehen, und ich habe mich auch
außer einigen Fortsetzungen, die von meinem Vorgänger übrig waren, nur in
einem Fall über dieses Vorhaben hinweggesetzt, wo es sich um ein specifisch
vaterländisches Kunstblatt handelte, das wegen seiner culturhistorischen
Bedeutung nicht zu übergehen war. Ich glaube dabei folgenden Rücksichten
Rechnung tragen zu sollen:
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken