Page - 432 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM432
dig, manchmal darüber hinauszugreifen – vor allem in die Zeit davor, selten
auch in jene danach –, wenn es darum ging, die Vor- und Frühgeschichte
mancher Themen oder ihren Endpunkt zu beleuchten. Überschneidungen
mit den Beiträgen von Thomas Huber-Frischeis und Nina Knieling waren
deshalb nicht immer zu vermeiden.
Die größte Herausforderung bei der Erstellung des vorliegenden Beitrages
waren sicherlich die ausufernde Masse an Quellen und die verwirrende Viel-
zahl an Teilaspekten, die diesen Abschnitt der Geschichte der Fideikommiss-
bibliothek begleiten. Rund 3.000 Aktenkonvolute waren zu bearbeiten; hinzu
kamen zahllose Zeitungsartikel und andere gedruckte und handschriftliche
Quellen, die das aus den Akten sich ergebende Bild ergänzten, vervollstän-
digten und zum Teil auch erst schlüssig interpretierbar machten. Zudem
konnten viele Fragen nur durch eine genaue Analyse der Quellen gelöst wer-
den, da sich zahlreiche Hinweise an versteckter Stelle vorfanden und die
Beziehungen zwischen den Schriftstücken sich vielfach erst aufgrund von
minutiösen Rekonstruktionen und durch die Erschließung von Zusammen-
hängen ergaben. Als methodische Schwierigkeit erwies sich dabei das Prob-
lem der inhaltlichen Strukturierung, die zunächst vor allem deshalb notwen-
dig war, um die aus den Quellen gewonnenen Einsichten „verwertbar“ und
„auffindbar“ zu machen. Erst in einem zweiten Schritt ergab sich daraus die
Gliederung des Publikationstextes.
Der inhaltlichen Raster, den ich über die Entwicklung der Fideikommiss-
bibliothek im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert geworfen habe, kommt
mit einigen wenigen Hauptthemen aus, unter die sich eine größere Zahl an
Teilaspekten reiht. Mein Beitrag ist also keine chronologische Fortschrei-
bung der Geschichte der Sammlung zwischen 1878 und 1914, sondern der
Versuch, ihre Transformation anhand der Entwicklungen innerhalb meh-
rerer Teilbereiche in getrennten Abschnitten zu rekonstruieren. Trotz der
zunächst scheinbar unentwirrbaren Themenvielfalt in den Quellen kristal-
lisierten sich im Zuge des Aktenstudiums sehr rasch drei zentrale Aspekte
heraus, unterhalb derer die weitere Gliederung erfolgen konnte. Neben den
konventionellen Themen der Bibliotheksgeschichte als solcher (1. Teil),
sind dies zum einen die vielfältigen Formen der Interaktion zwischen der
Fideikommissbibliothek und der Öffentlichkeit. Da die Bibliothek eine kai-
serliche Privatsammlung war, war sie nicht zugänglich für die Allgemein-
heit. Dennoch entwickelten sich im vorliegenden Zeitraum alle möglichen
Formen der Nutzung der Bestände der Fideikommissbibliothek durch diese.
Wie sich dieser Prozess der Öffnung im Einzelnen vollzogen hat, ist Gegen-
stand des zweiten Teiles meines Beitrags. Zum anderen entstand für die
Fideikommissbibliothek damals aufgrund ihrer Bestände, aber auch we-
gen des „Charakters“, den man ihr zuschrieb, zunehmend das Profil einer
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken