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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 439
Chertek hatte bei der Bekanntgabe der Zuweisung dieser Funktion an Erz-
herzog Eugen verfügt, dass die Zuwachsverzeichnisse künftighin von der
Fideikommissbibliothek nicht mehr direkt an den Fideikommisskurator,13
sondern an die Generaldirektion zu leiten wären, welche dann alle weite-
ren Amtshandlungen durchzuführen hätte. Chertek, der damit der Tendenz
folgte, alle wichtigen Entscheidungs- und Kontrollvorgänge in den unmittel-
baren Kompetenzbereich der von ihm geleiteten Behörde zu ziehen, bezog
sich dabei auf das kaiserliche Handschreiben vom 19. Februar 1886.14 Die
Änderung im Amtsweg bei der Weiterleitung der Zuwachsverzeichnisse war
vermutlich vor dem Ableben Erzherzog Leopolds nicht durchzusetzen oder
man scheute sich davor.
1.1.3 Aspekte der Finanzierung
In der zweiten Hälfte des 19. und im frühen 20. Jahrhundert gab es für die
Geldbedürfnisse der Fideikommissbibliothek keine feste Dotation. Die der
Sammlung über diesen Zeitraum zur Verfügung stehenden finanziellen Mit-
tel waren weder konstant noch wurden sie aus einem einzigen Fond gespeist.
Da periodisch oder einmalig zur Verfügung stehende Geldsummen zudem
unterschiedlichen Zwecken gewidmet waren – worüber getrennt Buch ge-
führt werden musste –, zeitweilig aber mit den vorhandenen Mitteln durch
Umverteilung der Ausgaben improvisiert wurde, stellt sich der finanzielle
Haushalt der Fideikommissbibliothek zwischen 1878 und 1914 alles andere
als einfach lesbar und übersichtlich dar.
Bezüglich der Personalkosten und der Ausgaben für Ankäufe und Adjus-
tierungen existierte eine Art „ordentliches Budget“, das jedoch periodisch
zum Jahreswechsel im Präliminare beantragt werden musste und vom Kai-
ser genehmigt wurde. Während die Ausgaben für die Gehälter und Bezüge
durch den Schematismus des Personalstatus vorgegeben waren, der nur von
der vorgesetzten Behörde geändert werden konnte (vgl. Abschnitt 1.2.1),
musste der Bibliotheksleiter die Dotation für Ankäufe und Adjustierungen
jedes Jahr erneut argumentativ begründen. Es konnte deshalb vorkommen,
dass er sie aufgrund der Erfahrungen der Vorjahre höher oder geringer als
zuletzt ansetzte.15 Grundlage für diese Kalkulation waren die zunächst mo-
natlich und dann für das abgelaufene Jahr berechneten „Budgetstände“; sie
13 Siehe die Konzepte zu den Gesuchen, mit denen die Zuwachsverzeichnisse von der Fidei-
kommissbibliothek an Erzherzog Leopold mit der Bitte um Unterfertigung weitergeleitet
wurden, unter FKBA33096.
14 FKBA35217.
15 Siehe etwa FKBA30001, fol. 4r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken