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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 443
halber der Büchereinkauf voraussichtlich geringer sein dürfte, überdies die
Gewährung von Rabatt seitens des Buchhandels immer mehr eingeschränkt
wird. Da nun diese für den Handeinkauf von Büchern und Kunstblättern, ins-
besondere von Porträten, bestimmten Gelder für die Bibliothek unentbehrlich
sind, und sie gerade dieser Art des Einkaufes die seltensten und wertvollsten
Acquisitionen zu billigeren Preisen zu verdanken hatte, [so sei] […] zum Zwe-
cke des Handeinkaufs ein mit Ende 1895 zu verrechnender Vorschuss von 500
Gulden [notwendig].“34
Dieser Betrag wurde von Generaldirektor Chertek gewährt, und zwar „zu
Lasten der Präliminars-Post ‚Nachschaffungen von Werken‘ […] Aus diesem
Vorschusse wird nunmehr der früher ganz aus den Rabatten bestrittene
Handeinkauf von Porträts, Kunstwerken, Antiquarischen Werken etc. vor-
zunehmen sein“.35
Im Verwaltungsbericht des folgenden Jahres schlug Karpf vor, die Rabatt-
gelder nicht mehr separat zu verrechnen, „weil diese Gelder sowohl ihrer
Verwendung als auch ihrer Entstehung nach einen Theil der Dotation zur
Nachschaffung von Werken bilden.“ Die im Anschluss dargelegte Vorgehens-
weise entspricht den heutigen Usancen bei Gewährung von Rabatten: Die
Restsumme von 183 fl. 87 kr. der bisherigen Rabattgelder soll an die Fonds-
kasse abgeführt werden; die Buch- und Kunsthändler sollen in Zukunft die
Nachlässe unmittelbar auf ihren Jahresrechnungen „in ersichtlicher Weise
in Abzug“ bringen und nur mehr den daraus resultierenden Restbetrag ver-
rechnen.36 Ein solches Verfahren wäre vom buchhalterischen Standpunkt
zweifellos eine Vereinfachung und Modernisierung gewesen. Doch ist der
gesamte Abschnitt im Konzept des Verwaltungsberichtes durchgestrichen
und in der abgegebenen Fassung auch nicht mehr enthalten. Tatsächlich hat
aber dann Generaldirektor Emil von Chertek in seinem Antwortschreiben
zur Rechnungslegung selbst den Vorschlag gemacht, „ob es nicht angezeigt
wäre, den Rabatt nicht mehr von den Buchhändlern an die Bibliothek abfüh-
ren, sondern jeweilig gleich bei Bezahlung der bezüglichen Rechnungen in
Abzug bringen zu lassen, durch welchen Vorgang dann blos die Netto-Aus-
gabs-Summe zur Verrechnung gelangen würde.“37 Diese Vorgehensweise
wurde dann auch im Jahr 1896 umgesetzt, womit in Zukunft die separate
Verrechnung der Rabattgelder entfiel.38
34 FKBA34136, fol. 1r–v.
35 FKBA34136, fol. 18r–v.
36 FKBA35001, fol. 2r.
37 FKBA35003, fol. 22r–v.
38 FKBA35065, fol. 2r; vgl. auch FKBA35067, fol. 1r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken