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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM460
und konnte den Umgang mit anderen Menschen anscheinend sehr gut zu
seinen Gunsten steuern. Darüber hinaus verfügte er über ein respektables
privates und berufliches Netzwerk94 und ging neben seiner Anstellung ei-
ner Reihe weiterer intellektueller und gesellschaftlicher Tätigkeiten nach.
Von zentraler Bedeutung war zweifellos seine Mitgliedschaft in der 1892
gegründeten Leo-Gesellschaft. Das Programm dieses Vereins – die Förde-
rung von Wissenschaft und Kunst auf katholischer Basis – weist zugleich
darauf hin, wo Schnürers weltanschaulicher Hintergrund angesiedelt war,
nämlich im katholisch-konservativen, Habsburg-treuen Lager. Gleich nach
der Gründung wurde Schnürer die Redaktion des „Österreichischen Lite-
raturblattes“ (ab 1899 „Allgemeines Literaturblatt“) anvertraut, des Ver-
einsorgans für Rezensionen zu Werken sämtlicher Zweige der Wissenschaft
und Literatur, die in Österreich publiziert wurden. Für diese Funktion in
Vorschlag gebracht wurde er anscheinend vom Präsidenten der Leo-Gesell-
schaft, Joseph Alexander Freiherr von Helfert, persönlich.95 Helfert war
eine der gewichtigsten Persönlichkeiten im damaligen österreichischen
Kulturleben: 1854 Gründer des Institutes für Österreichische Geschichtsfor-
schung, 1859–68 Präsident des Alterthums-Vereins zu Wien und 1863–1910
Präsident der K. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der
Baudenkmale, um nur die wichtigsten Funktionen zu nennen. Mit Schnürer
stand er offensichtlich in gutem, wenn nicht sogar in freundschaftlichem
Verhältnis. (1903 hatte Helfert, wie wir noch sehen werden, zu Schnürers
Gunsten bei der Generaldirektion interveniert.) Die Beziehung muss jeden-
falls als Grundlage für Schnürers Karriere innerhalb der Leo-Gesellschaft
betrachtet werden. Neben der Redaktion des „Allgemeinen Literaturblat-
tes“, die er bis zu dessen Einstellung im Jahr 1920 innehatte, übernahm er
diese Funktion auch für „Die Kultur“, ein 1899 gegründetes „Jahrbuch für
Wissenschaft, Literatur und Kunst“.96 1904 war er außerdem Schatzmeister
der Leo-Gesellschaft.
Werfen wir nun einen Blick auf Schnürers journalistische und wissen-
schaftliche Tätigkeit. Er verfasste mehr als 250 Rezensionen, von denen über
90 Prozent im „Allgemeinen Literaturblatt“ erschienen,97 und fast 100 wei-
tere Artikel.98 Schnürers Buchpublikationen lassen sich thematisch und zeit-
lich in zwei Gruppen gliedern. Bis kurz nach der Jahrhundertwende hatte er
94 Zu den Bekanntschaften Schnürers siehe Jenner, Schnürer, 36–40.
95 Siehe dessen Bericht im Jahrbuch der Leo-Gesellschaft, Bd. 1 (1893), 5, zit. in Jenner,
Schnürer, 45.
96 Jenner, Schnürer, 72–76.
97 Vgl. das Verzeichnis in Jenner, Schnürer, 80–96; die Rezensionen in anderen Periodika
datieren aus der Zeit vor und nach dem Erscheinen des ALB.
98 Verzeichnis in Jenner, Schnürer.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken