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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 473
lich würde in den Ankündigungen zu einem Werk mit dem Titel „Frauenbild-
nisse“ oder „Frauenschönheiten“ „die kaiserliche Bibliothek reklameartig
herbeigezogen“. Die Hinweise stammten „von sehr beachtenswerter Seite“
und hätten bewirkt, „dass sich der unterzeichneten Bibliotheksleitung eine
gewisse Unruhe bemächtigte“.147 Daraus konnte man zwar schließen, dass
der Verdacht bestand, die Fideikommissbibliothek hätte ihre Zustimmung
zur kommerziellen Reproduktion von weiblichen Bildnissen gegeben; der
zweite Bericht konnte die Generaldirektion aber natürlich auch nicht befrie-
digen. Man verlangte nun von Karpf, dass er den Prospekt für das besagte
Werk vorlege und den Namen seines Informanten nenne. Am 2. April ant-
wortete dieser darauf, dass die betreffende Ankündigung auf dem „Schmutz-
titel“ eines anderen Werkes abgedruckt wäre und dass er den Wunsch des
Generaldirektors „mit eingeholter Zustimmung der Persönlichkeit, von wel-
cher der unterzeichneten Leitung die Mitteilung gemacht wurde“, bald erfül-
len würde.148
Am 11. April meldete sich diese „Persönlichkeit“ selbst mit einem Brief bei
Chertek, nachdem Karpf am selben Tag von ihr die besagte „Zustimmung
verlangt“ hatte. Es handelte sich um Franz Ritter, den Bibliothekar des Ös-
terreichischen Museums für Kunst und Industrie. Seine Mitteilung klärt die
Vorgänge, die die Angelegenheit ins Rollen gebracht hatten, restlos auf und
wirft zugleich ein bezeichnendes Licht auf Karpfs Persönlichkeit. Ausgangs-
punkt war die Ankündigung der Publikation „Berühmte Frauenschönheiten
[…] mit biographischen Notizen versehen von Dr. Franz Schnürer, Bibliothe-
kar der Allerh. Privatbibliothek Sr. Majestät des Kaisers von Österreich“. Die
darin enthaltenen „Bilder sind nach authentischen Porträts, die zumeist den
reichen Sammlungen der k. und k. Familien-Fideikommiss-Bibliothek (Abtei-
lung: Porträtsammlung) entnommen sind, angefertigt.“149 Auf diese Anzeige
war Ritter wohl im Jahr 1905 aufmerksam geworden und er richtete des-
halb bei einer Ausstellungseröffnung im Österreichischen Museum an Karpf
die Frage, „ob etwa an der Allerhöchsten Familien-Fideikommiss-Bibliothek
Personalveränderungen vorgekommen seien“. Aus der Bezeichnung Schnü-
rers als „Bibliothekar der Allerh. Privatbibliothek Sr. Majestät des Kaisers
von Österreich“ musste man nämlich schließen, dass dieser befördert oder
gar zum Leiter der Fideikommissbibliothek ernannt worden war. Nachdem
Karpf erfahren hatte, worauf sich die Mutmaßung gründete, erklärte er, „von
dem Erscheinen dieses Werkes keine Kenntnis zu besitzen“. Das veranlasste
schließlich Ritter zu der Bemerkung, „dass von einer derartigen Inanspruch-
147 Ebenda: Bericht Karpfs an die Generaldirektion v. 29.03.1906.
148 Ebenda: Bericht Karpfs an die Generaldirektion v. 02.03.1906 (recte: 02.04.1906).
149 Ebenda, die Anzeige liegt dem Akt bei.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken