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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 475
einer Knocheneiterung im Krankenstand.153 In der Generaldirektion wurde
nach Einlangen dieser Informationen folgender Erlass entworfen: Schnürer
sollte angeben, welche Schritte er „gegen die Verlagsfirma Adolf Schumann
in Leipzig wegen des für ihn nicht gleichgültigen Mißbrauches seines Na-
mens unternommen hat“, außerdem wäre mitzuteilen, ob er oder Jureczek
ein Honorar erhalten hätten, und schließlich sollte der zuletzt Genannte ein-
vernommen werden, wenn es dessen Gesundheitszustand zuließe.154 Doch
die weitere Entwicklung in dieser Angelegenheit brachte eine überraschende
und für die Situation in der Fideikommissbibliothek zugleich bezeichnende
Wende.
Schnürer hatte nämlich Jureczek, mit dem er in sehr freundschaftlichem
Verhältnis stand, am 21. April um Auskunft über seine Erinnerungen an
die Vorgänge in der Bibliothek rund um die Herausgabe der „Frauenschön-
heiten“ gebeten. In seiner schriftlichen Antwort behauptete Jureczek, sich
genau an den Augenblick („u. zw. bei meinem Schreibtische“) erinnern zu
können, als Karpf „ohne weitere Debatte seine Einwilligung“ zur Veröf-
fentlichung der Porträts gab.155 Der Brief Jureczeks wurde von Schnürer
zusammen mit einem Begleitschreiben an Chertek ausgehändigt, aus dem
wieder einmal hervorgeht, dass der Generaldirektor einen recht vertrauten
und ungezwungenen Umgang mit ihm unterhielt. Schnürer untermauerte
Jureczeks Ausführungen auch damit, „daß Dr. Karpf das im Juli 1903 er-
schiene Werk für die Bibliothek selbst angekauft hat, was aus der von ihm
unterschriebenen Buchhändlerrechnung sowie aus dem von ihm gleichfalls
mit seiner Unterschrift bezeugten jährlichen Bericht hervorgeht“. Beide
stimmten darin überein, dass das Verhalten des Bibliotheksleiters nur auf
dessen Vergesslichkeit zurückzuführen wäre. Schnürer nahm auch zu sei-
ner „Autorschaft“ Stellung, aus der er „nie ein Geheimnis gemacht habe“.
Er hätte „das ganze Erlebnis […] schon vor Jahren Herrn Dr. Karl Klimesch
erzählt, – was ich gewiß unterlassen hätte, wenn ich mir irgend eines unkor-
rekten Vorgehens bewußt gewesen wäre.“156
Jureczeks Brief wurde von Chertek an Hawerda weitergeleitet, der sich
dadurch aber nicht genötigt sah, seinen „Expeditionsentwurf“ abzuändern.
Vor allem beharrte er weiterhin auf einer persönlichen Einvernahme Jurec-
zeks, „da gerade durch sie u. die sich hiebei nothwendig ergebende Klärung
der beiden entgegengesetzten Behauptungen in Betreff der seinerzeit ge-
gebenen oder nicht gegebenen Reproductionsbewilligg. der wahre Sachver-
153 Vgl. FKBA37118.
154 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5., Kt. 537, Z. 1540 ex. 1906.
155 Ebenda: Jureczek an Schnürer, 21.04.1906.
156 Ebenda: Schnürer an Chertek, 23.04.1906.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken