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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 485
7. Juli 1913, im Alter von 31 Jahren, maturierte Beetz am Gymnasium in
Mödling und absolvierte danach ein Kunstgeschichtestudium an der Univer-
sität Wien, das er 1924 mit der Promotion abschloss.191 Die wichtigste Tätig-
keit, die Beetz nach seiner Einstellung und neben seiner Routinearbeit als
Kanzlist aufgenommen hat, war die Neuordnung und Indexierung („Regist-
ratur“) des Archives der Fideikommissbibliothek.192 Die Bearbeitung des Ak-
tenbestandes war zweifellos auch die Grundlage für Beetz’ spätere Beschäf-
tigung mit der Geschichte der Fideikommissbibliothek, für die er die ersten
umfassenden Darstellungen lieferte (vgl. Abschnitt 3.1.2). Aufgrund seiner
fünfjährigen Tätigkeit in der Gemäldegalerie der kunsthistorischen Samm-
lung und der dadurch erwachsenen Neigungen, die schließlich auch die Wahl
seines Studiums bedingten, konnte sich Beetz auch in der Porträt
sammlung
verwenden lassen, in die er von Johann Jureczek eingeführt wurde. Mehr-
fach sind Porträtbestimmungen durch ihn dokumentiert.193 Schließlich war
Wilhelm Beetz auch an der Präsentation der Fideikommissbibliothek auf der
Jubiläumsausstellung „Unser Kaiser“ (1908) und auf der „Internationalen
Jagdausstellung“ (1910) beteiligt (vgl. Abschnitt 2.1.3).
Mit Beginn des Jahres 1907 gab es noch einen weiteren Neuzugang. Ob-
wohl von der Generaldirektion zunächst nicht geplant, war die Einstellung
eines akademisch gebildeten Beamten über kurz oder lang wegen des Aus-
scheidens von Karpf und Hodinka und der zunehmenden Kränklichkeit Ju-
reczeks doch unabdingbar. Dies dürfte sich auch außerhalb der Sammlung
herumgesprochen haben; denn nach der Mitte des Jahres 1906 gab es zwei
Initiativbewerbungen in der Fideikommissbibliothek für eine entsprechende
Stelle.
Als erster meldete sich am 20. Juni 1906 der 23-jährige Johann Eibl, der
unmittelbar zuvor zum Doktor der Philosophie im Fach „klassische Philolo-
gie“ an der Universität Wien promoviert worden war. Da Eibl aber bis zum
Oktober des folgenden Jahres seinen einjährigen Militärdienst abzuleisten
hatte, entschied Generaldirektor Chertek, dass seine „Inverwendungnahme
derzeit unthunlich“ wäre.194
Alfred Merz, der sich Anfang Oktober 1906 für eine Stelle in der Fidei-
kommissbibliothek bewarb, bezog sich in der Begründung dafür ausdrück-
lich auf die Pensionierung von Alois Karpf. Sein Gesuch wurde vom nieder-
österreichischen Statthalter, Graf Kielmansegg, unterstützt.195 Der 1880 in
191 FKBA41054. Czeike, Lexikon, Bd. 1 (1992), 312.
192 FKBA39001, fol. 8r. Zum Archiv siehe Huber-Frischeis, Gedächtnisspeicher.
193 FKBA39001, fol. 8r; FKBA39077; FKBA40029.
194 FKBA37136, fol. 8r.
195 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 3791 ex. 1906. Der Akt enthält ein
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken