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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 493
Die rasche Erledigung der anfallenden Tätigkeiten war nach Schnürers
eigener Aussage der Erfolg der „Aufstellung und Durchführung eines kla-
ren und genauen Arbeitsprogrammes“.211 Ob es diese Erfahrung war oder
die zuvor schon von Vize-Generaldirektor Hawerda-Wehrlandt ausgespro-
chene Erwägung, die den neuen Bibliotheksvorstand dazu veranlassten den
„Entwurf einer Dienstes-Instruktion“ auszuarbeiten, sei dahingestellt. Er
legte diesen jedenfalls am 27. Mai 1907 der Generaldirektion vor. Es war
nicht der erste diesbezügliche Versuch. Ein von Wenzel Schaffer im Sep-
tember 1887 formulierter „Entwurf einer Dienstordnung“, der verschollen
ist, war als Reaktion auf die mangelnde Kooperation und Leistungsbereit-
schaft von Alois Karpf entstanden.212 Dieser hatte im April 1901 selbst eine
„Dienst-Ordnung“ zusammengestellt. Es handelt sich um ein relativ kurzes
Schriftstück, in dem die Amtsstunden, die Bedingungen und Modalitäten
der Benutzung der Bibliothek durch Außenstehende und die Tätigkeiten der
Beamten, die namentlich genannt sind, eher kurz angerissen als beschrieben
sind.213 In welchem Zusammenhang das Konzept entstanden ist und ob es je
Gültigkeit erlangt hat, konnte nicht geklärt werden. Der zwölfseitige „Ent-
wurf“ von Schnürer behandelt die von Karpf angerissenen Punkte ungleich
ausführlicher, enthält aber darüber hinaus noch die Festschreibung einiger
weiterer Aspekte. Die „Dienstobliegenheiten“ sind für die einzelnen Funktio-
nen, vom Vorstand bis zum Bibliotheksdiener, beschrieben. Dabei handelte
es sich – wie Schnürer selbst betont – „im Wesentlichen um die Fixierung
von Einrichtungen und Usancen […], wie sie in der Bibliothek seit jeher oder
doch seit Jahren üblich sind.“ Der neue Vorstand beanspruchte dabei nun
explizit die Befugnis, „Ansuchen um Benutzung oder Entlehnung von Bü-
chern, Porträten, Kunstblättern und anderen Objekten der Sammlungen im
eigenen Wirkungskreis zu gestatten oder zu versagen“, und die „Entschei-
dung über Ankäufe […], welche aus den Geldern der Dotation (Bücher- wie
Kanzleidotation) gemacht werden sollen“, für sich. Im Übrigen entsprach die
Arbeitsaufteilung dem Konzept in Schnürers Denkschrift zur „Neusystemi-
sierung des Beamtenstatus“ vom April 1906: Die beiden großen Abteilungen
der Sammlung (Bücher und Landkarten sowie Porträts und Grafiken) soll-
ten vom Vorstand bzw. Kustos geführt werden, welche dabei vom Skriptor
unterstützt wurden, während die reinen Büroarbeiten dem Kanzleisekre-
tär oblagen. Hinsichtlich der Benützung der Fideikommissbibliothek durch
Außenstehende, kodifizierte Schnürer nur jene Modalitäten, die bereits seit
Jahrzehnten aufgrund von Präzedenzfällen und Entscheidungen früherer
211 FKBA37190, fol. 1v.
212 Erwähnt in FKBA31100, fol. 28r.
213 FKBA36083.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken