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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 529
gengeschenk an die Smithsonian Institution zu übersenden. Nachdem dieser
Antrag vom Kaiser bewilligt worden war und eine entsprechende Sendung
von Büchern und Kartenwerken an den in Leipzig ansässigen deutschen
Konsul für Nordamerika, Felix Flügel, der die Smithsonian Institution in
Europa vertrat, abgesendet worden war, langten weitere Buchgeschenke aus
den Vereinigten Staaten in der Fideikommissbibliothek ein. Moritz Alois von
Becker, der dem inzwischen verstorbenen Khloyber als Bibliotheksdirektor
nachgefolgt war, hielt ein weiteres Gegengeschenk für entbehrlich, emp-
fahl aber den kaiserlichen Dank übermitteln zu lassen.337 Die Gratiszuwen-
dungen der Publikationen der Smithsonian Institution setzten sich in den
1870er Jahren zunächst sporadisch fort338 und sind für die Jahre von 1883
bis 1897 in regelmäßigen Abständen dokumentiert.339 Doch müssen sie auch
danach ohne Unterbrechung fortgesetzt worden sein, da Schnürer im Jahr
1913 das Fehlen einiger Bände nach der letzten Lieferung der ansonsten
vollständig vorhandenen Reihen monierte.340 Bei diesen Sendungen ist die
persönliche Einwilligung des Kaisers in die Annahme der Geschenke, die zu
Beginn wie eine obligatorische Voraussetzung stets eingeholt worden war,
allerdings nicht mehr dokumentiert.
Gratiszuwendungen „on demand“: Maßnahmen zur Komplettierung von
wissenschaftlichen Reihen und mehrbändigen Werken
Eine dritte Form der Gratiszuwendungen fällt bereits unter die aktive Er-
werbungspolitik, da es sich gewissermaßen um von der Fideikommissbiblio-
thek provozierte Schenkungen handelte. Die Sammlung war vom Amtsan-
tritt Beckers bis zum Ersten Weltkrieg bestrebt Reihenpublikationen und
Fortsetzungswerke zu erwerben, von denen sie entweder bereits einzelne
Bände besaß und die vervollständigt werden sollten oder die sie, im Fall
kompletter Neuanschaffungen, als wichtige Ergänzung zu bereits vorhan-
denen Beständen betrachte. Nach entsprechenden Anfragen zu den Moda-
litäten des Erwerbs bei den herausgebenden Institutionen erhielt die Fidei-
kommissbibliothek die gewünschten Publikationen fast immer unentgeltlich
zur Verfügung gestellt. Die diesbezüglichen Anstrengungen gingen zunächst
und vor allem wiederum von Moritz Alois von Becker aus, der schon in sei-
nem Arbeitsprogramm von 1870 festhielt,
337 FKBA26120.
338 FKBA27024, FKBA27090.
339 FKBA30104, FKBA31090.
340 FKBA41069.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken