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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 543
Ewald Kostersitz, nachdem Becker den letzteren um sein und seiner Vor-
gänger Porträts gebeten hatte, soweit diese nicht bereits in der Sammlung
vorhanden waren. Dubletten älterer Bildnisse konnten zwar nicht zur Ver-
fügung gestellt werden; auf Beckers Angebote zur Aufwandsentschädigung
(Barzahlung oder Dublettentausch) ging der Probst allerdings auch nicht
ein.414 – Bei einem Antiquar in Zürich erwarb die Fideikommissbibliothek
1884 größere Mengen an Bildnissen von Schweizer Persönlichkeiten, um
die Bestände der Porträtsammlung auch in diese Richtung zu vervollstän-
digen.415 – Aus dem Jahr 1911 ist ein erfolgreicher Versuch der Beschaffung
von Porträts überliefert, die im Handel nicht erhältlich waren: Nach einer
entsprechenden Anfrage ließ Fürst Karl Max von Lichnowsky fotografische
Aufnahmen von Ölbildnissen dreier Mitglieder seines Hauses aus dem spä-
ten 18. und frühen 19. Jahrhundert anfertigen. Wie Schnürer in der Anfrage
mitteilte, wurde damals „auf die Vollständigkeit oesterreichischer Adelspor-
träte besonderes Gewicht gelegt.“416 – Eher zufällig – anlässlich der Bestim-
mung eines Porträtgemäldes aufgrund einer eingesandten Fotografie im
Oktober 1914 – erfahren wir, dass man „in der letzten Zeit speziell die Ver-
vollständigung der Gruppe ‚Ritter des Ordens vom goldenen Vließe‘ in der
Porträtsammlung ins Auge gefasst hat“.417 – Unter Schnürer wurden auch
gezielt lebende Personen um Überlassung ihrer Porträts gebeten, so etwa
die Wiener Bürgermeister Karl Lueger, Josef Neumayer und Richard Weis-
kirchner sowie der Oberbaurat und leitende Architekt des Hofburg-Neubaus
Ludwig Baumann.418
Schließlich sei noch erwähnt, dass Ankäufe von Porträts zur Vervollstän-
digung der Sammlung auch als Reaktion auf Anfragen erfolgten, durch die
das Fehlen eines Bildnisses erst bemerkt wurde. 1899 wurde deshalb auf
umständlichem Wege ein Porträt von Joseph Frauenhofer angeschafft, nach-
dem zuvor die Photographischen Gesellschaft in Berlin um ein solches in
der Fideikommissbibliothek für eine Reproduktion in einem Porträtwerk an-
gesucht hatte und man es nicht hatte zur Verfügung stellen können.419 Als
bei der Pferde-Ausstellung des Jahres 1905 Reiterbildnisse von Mitgliedern
des Hauses Habsburg aus der Porträtsammlung ausgestellt werden sollten,
musste die Fideikommissbibliothek erst eine ganze Reihe solcher Blätter
414 FKBA30113.
415 FKBA30114; FKBA31004, Rabattgelder, Ausgaben, Nr. 4.
416 FKBA39060, fol. 1r (Zitat) und passim.
417 FKBA42052. Der Bestand der Vliesritter umfasst zwei durch entsprechende Aufschriften
gekennzeichnete Portefeuilles.
418 FKBA38160, FKBA38182, FKBA40077, FKBA41071, FKBA38203.
419 FKBA35220, vgl. dazu FKBA35152.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken