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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 545
und Pläne) zusammen.424 Dieser Nachlass wurde nach dem Tod Hütters am
21. Jänner 1886 wohl im Sommer dieses Jahres von dessen Witwe dem Kai-
ser zum Ankauf für die Fideikommissbibliothek angeboten. Wenzel Schaf-
fer, der das Gutachten zu diesem Offert verfasste, schätzte die künstlerische
Bedeutung der Werke Hütters zwar gering ein, erkannte allerdings deren
dokumentarischen Wert im Hinblick auf das durch die zahlreichen Demolie-
rungen im Zuge der Stadterweiterung in den vergangenen Jahrzehnten ver-
änderte Stadtbild Wiens. Als sinnvolle Ergänzung für die Fideikommissbi-
bliothek betrachtete er lediglich die eigenhändigen und vollendeten Blätter
der Sammlung, die allerdings nur geschlossen erworben werden konnte. Der
Kaufpreis lag bei 18.000 fl.; Becker entschied jedoch, dass maximal 5.000 fl.
dafür bezahlt werden könnten, und zwar in zehn jährlichen Raten.425 Die
Witwe Hütters zog ihr Gesuch um Ankauf daraufhin im Dezember des Jah-
res zurück.426 Zwischen dem 23. Jänner und Mitte Februar 1888 wurde die
Sammlung in Wien versteigert, was der Verkäuferin tatsächlich die erhoff-
ten 18.000 fl. einbrachte.427 Auch die Fideikommissbibliothek beteiligte sich
daran und erstand für 520 fl. das Rundpanorama Wiens vor der Demolie-
rung der Stadtmauern aus dem Jahr 1858428 sowie weitere Wiener Ansichten
aus dieser Zeit.429
Da die Fideikommissbibliothek aufgrund der Sammeltätigkeit der Kaiser
Franz und Ferdinand umfangreiche Bestände von gezeichneten und aqua-
rellierten Pflanzendarstellungen besaß, wäre auch der Nachlass des Bota-
nikers Leopold Trattinnick (1764–1849), der zahlreiche derartige Blätter
enthielt, eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Als ihr dieser aber zu Beginn
des 20. Jahrhunderts zum Kauf angeboten wurde, hatte sich bereits die von
Franz Schnürer propagierte Auffassung durchgesetzt, die weitere Bestim-
mung der Fideikommissbibliothek läge in ihrem Ausbau zu einer reinen
Habsburgersammlung, sodass die Erwerbung aus diesem Grund nicht zu-
stande kam (vgl. Abschnitt 3.1.1).
Angeboten wurde der Fideikommissbibliothek schließlich auch die soge-
nannte Bibliotheca Rossiana. Diese von dem Gelehrten Giovan Francesco
De Rossi (1796–1854)430 angelegte Büchersammlung wurde nach dessen Tod
424 Vgl. FKBA31072, fol. 1r–2r.
425 FKBA31072, fol. 1v–4r.
426 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 534, Z. 2816 ex. 1885.
427 Allgemeine Kunstchronik, Bd. XII, Nr. 2 v. 14.02.1888, 44, u. Nr. 7 v. 18.02.1888, 181.
Zuvor war die Sammlung zur allgemeinen Besichtigung im Österreichischen Museum aus-
gestellt.
428 Wien, ÖNB, BAG, Pk 299, 1–13.
429 Heute Teil des Bestandes FKB-Vues der Kartensammlung der ÖNB.
430 Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 39 (1991), 195–198.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken