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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM562
thek angepasste Katalogisierung“, die „Vertrautheit mit alten Kästen und
Räumen [erforderte], wie sie nur jene Beamte besaßen, welche diese Bib-
liothek zu schaffen geholfen und alle ihre Gegenstände gekannt und selbst
eingestellt hatten.“ Dementsprechend konnte beim „Auffinden der Kunst-
objekte […] das Gedächtnis mehr helfen als der Katalog.“494 Ob und bis zu
welchem Grad diese Einschätzung gerechtfertigt ist, soll hier nicht beurteilt
werden. Wichtig ist, dass die ursprünglichen Ordnungs- und Erschließungs-
methoden bei späteren Generationen von Beamten zunehmend an Vertraut-
heit verloren und dass v. a. der sich permanent vergrößernde Umfang und
die zunehmende Komplexität der Bestände mit den älteren Praktiken nicht
mehr zu bewältigen waren. Die in den späten 1880er Jahren bevorstehende
Übersiedlung der Sammlung konnte in dieser Hinsicht nur als zusätzlicher
Katalysator für dringend notwendige Maßnahmen wirken.
Die wichtigste und nachhaltigste dieser Maßnahmen war, dass Becker ein
Standortsrepertorium der Kunstsammlung anlegen ließ, dessen Nummerie-
rung für diesen Teil der Fideikommissbibliothek im Grunde bis heute maß-
geblich ist.495 Damit sollte offensichtlich ein zentraler Referenzkatalog für
sehr heterogene Bestände geschaffen werden. Neben einzelnen grafischen
Blättern wurden in diese Abteilung auch Werke aus der Büchersammlung,
die man zuvor in Einzelblätter zerlegt hatte, und zum Teil sehr umfangrei-
che Teilbestände, wie etwa Architekturzeichnungen (K 247), die Guckkas-
tenaquarelle aus der Ferdinandeischen Bibliothek (K 502)496 oder die Vor-
zeichnungen zum Kronprinzenwerk (K 1131), eingeordnet. Des Weiteren
sollte auch ein Standortsrepertorium der in der Abteilung „Schulen“ gesam-
melten Kupferstichreproduktionen nach Gemälden alter Meister angelegt
werden, das aber über das Anfangsstadium vermutlich nicht hinauskam.497
Für die Porträtsammlung erwog man eine solche Maßnahme jedoch anschei-
nend nicht, was Jureczek später damit erklärte, dass die beiden vorhande-
nen Kataloge (Beetz-Kartei und gebundener Katalog) geeignet waren, um
ein Inventar zu ersetzen, wenn sie sich auch nicht mit jenem von 1859 deck-
494 FKBA37180, fol. 9v–10r.
495 Es handelt sich um die sog. „Pk-Nummern“, die ursprünglich als „K-Nummern“ konzipiert
worden sind („K“ für „Kunstsammlung“, vgl. FKBA37180, fol. 4v u. 10r). Das heute drei
Bände zählende Standortsrepertorium, das noch keine Inv.-Nr. besitzt, befindet sich gegen-
wärtig in Saal XVIII.
496 Für diesen, 50 Portefeuilles umfassenden Bestand existiert außerdem ein eigener Zettelka-
talog (A/2/5, 2 Boxen). Vgl. FKBA37180, fol. 10r.
497 Laut einer durchgestrichenen Notiz in FKBA37180, fol. 10v, gab es „Bogen in einer Mappe“,
die „vom Buchbinder gebunden werden“ sollten. Diese Mappe könnte mit jener mit der
Aufschrift „Schulen“ bezeichneten im Bestand FKB.INV.51 (A/46/10 a) identisch sein.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken