Page - 568 - in Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM568
ist lediglich, dass durch die völlig veränderte Aufstellung der gesamte Buch-
bestand neu signiert werden musste, weswegen Schnürer zugleich eine Revi-
sion sämtlicher Bände durchführen ließ.520 Erst im Jänner 1917 erfahren wir
aus den Akten über weitere Maßnahmen, die die Kunstsammlung betrafen:
Schnürer berichtete damals an die Generaldirektion, „daß die Anlegung ei-
nes neuen Standortsrepertoriums […] für die Kunstsammlung eingeleitet
wurde“ und merkte dabei an, dass „durch den Wechsel in der Person des
Allerhöchsten Fideikommissinhabers […] nun die Möglichkeit einer Inven-
tursrevision näher gerückt“ wäre.521 Da das Bibliothekspersonal wegen der
Kriegseinberufungen reduziert war, wurden, um diese Arbeit weiterführen
zu können, zwei weibliche wissenschaftliche Hilfskräfte eingestellt.522
Die Kataloge und Inventare der Fideikommissbibliothek waren ebenso wie
ihre Bestände selbst ein kompliziertes, historisch gewachsenes Konglomerat
von mehr oder weniger zweckmäßigen Verzeichnissen, deren Verwendbar-
keit und Weiterführung an Vertrautheit mit ihrem Umgang gebunden war.
Charakteristisch für diese Situation ist eine Beschreibung der für die Inven-
tarisierung und Katalogisierung neuer Bücher notwendigen Arbeiten durch
Schnürer im Jahr 1906:
„[…] die Eintragung neu aufzunehmender Werke in die verschiedenen Kata-
loge (Punkt 3) stellt sich als eine oft sieben- bis achtmalige Kopierung des
Buchtitels dar, da jedes Werk in das Einlaufjournal, das Standorts-Reperto-
rium, den alphabetischen Hauptkatalog, den (Zettel-)Realkatalog, den nume-
rischen Zettelkatalog, in den sogenannten ‚Spiegel‘ (zur Evidenzhaltung und
Kontrolle der lokalen Aufstellung), häufig auch in den Fortsetzungskatalog
und in das Buchbinderjournal eingetragen werden muss. (Eine Vereinfachung
520 FKBA39001, fol. 9r–v. Nachdem die Arbeiten dazu bereits zwei Jahre im Gang waren, wurde
mit März 1911 der bisherige Hospitant der Hofbibliothek, Dr. Robert Hohlbaum, zwecks
beschleunigter Fortführung und Vollendung als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter mit einem
Monatsgehalt von 100 K. eingestellt. Ende Juli 1912 trat Hohlbaum „nach vollkommen
zufriedenstellender Vollendung der Ordnungsarbeiten“ aus dem Dienst in der Fideikom-
missbibliothek wieder aus (FKBA40066, fol. 1v). Bereits zwischen Juli und Oktober 1906
hatte Franz Schnürer als neuer Vorstand eine „sehr beträchtliche Anzahl von Büchern, die
seit der Übersiedlung in die jetzigen Räumlichkeiten unsigniert und ungeordnet in den De-
pots aufgespeichert lagen, […] signieren und ihre Benutzbarkeit dadurch […] ermöglichen
[lassen], daß sie vor allem auffindbar gemacht wurden“. (FKBA37148, fol. 2r)
521 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 540, Z. 223 ex. 1917: Bericht Schnürers vom
17.01.1917. – Am 21.11.1916 war Kaiser Franz Joseph gestorben; sein Nachfolger auf dem
Thron, Karl I., war zugleich auch letzter Fideikommissherr des Hauses Habsburg-Lothrin-
gen (vgl. den Beitrag von Nina Knieling in diesem Band, Abschnitt 1.2.2).
522 Vgl. den Beitrag von Nina Knieling in diesem Band, Abschnitt 1.1.2.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken