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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 575
Verwendung und wurden ebenfalls übersiedelt. Um die genaue Anordnung
ihres Inhaltes zu bewahren, die sich in der Signatur mit Kasten-, Fach- und
Reihenzahl manifestiert, ging man wie folgt vor: Zuerst wurden die Bücher
bzw. Portefeuilles an ihren neuen Aufbewahrungsort gebracht, danach der
jeweilige Kasten zerlegt und ebendort aufgestellt und, sobald dies gesche-
hen war, die einzelnen Werke sofort aufgrund der vorhandenen Signatur
in die Regale eingereiht.544 Personal für die Transportarbeiten wurde von
der Burghauptmannschaft bereitgestellt. Da mit den neuen Räumlichkei-
ten das bisher stets bestehende Problem der Platznot beseitigt war, konnte
man auf provisorische Aufstellungsarten (v. a. Doppel- und Dreifachreihung)
verzichten. Dies erforderte jedoch gleichzeitig die Anschaffung neuer Bib-
liothekskästen. Die notwendigen Adaptierungs- und Herstellungsarbeiten
zur Einrichtung der Bibliothek wurden vom Tischler Josef Spale in der Zeit
vom 2. Juli 1890 bis zum 24. Juni 1891 umgesetzt.545 Außerdem lieferte der
Hoftischler H. Irmler sechs große, viereinhalb Meter lange Pultvitrinen und
eine Reihe weiterer kleinerer Schaukästen für Ausstellungszwecke (vgl. Ab-
schnitt 2.1.2).546 All jene Werke, die in den neu angefertigten Repositorien
aufgestellt wurden („ungefähr 90.000 Bände und Portefeuilles, welche 154
ganzen Schränken und 124 Fächern sonst unverändert gebliebener Repo-
sitorien entstammten“),547 mussten umsigniert werden. Für diese zeitrau-
bende Tätigkeit, die vom Bibliothekspersonal in absehbarer Zeit nicht geleis-
tet werden konnte, wurden seit Ende Februar 1891 drei wissenschaftliche
Hilfskräfte eingestellt: die beiden Volontäre der Universitätsbibliothek Wien
Johann Bohatta und Karl Kaukusch (bis Ende September 1891)548 und der
Schriftsteller Ernst Keiter (bis Ende Oktober 1891).549 Mit der partiellen
Neusignierung der Bestände, der Katalogisierung von bisher nicht erfassten
Objekten (Zimelien, Büsten, Bilder) und der Erstellung eines Verzeichnis-
ses zu den Inhalten jedes einzelnen Kastens, des sogenannten „Spiegels“,
wurde die Übersiedlung als abgeschlossen betrachtet.550 Doch auch im Folge-
jahr waren noch verschiedene Handwerkerarbeiten notwendig, sodass die
Bibliotheksleitung am 19. November 1892 noch einmal um Begleichung of-
fener Rechnungen in der Höhe von 5.127 fl. 94 kr. bei der Generaldirektion
544 FKBA33067, fol. 44r.
545 FKBA33067, fol. 44r.
546 Vgl. FKBA33069 und unter „Übersiedlungsrechnungen“ im Rechnungskonvolut des Jahres
1892.
547 FKBA33067, fol. 46r.
548 Zur Einstellung und Verlängerung des Dienstes von Bohatta und Kaukusch siehe
FKBA33008 und FKBA33029.
549 FKBA33013.
550 FKBA33067, fol. 46r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken