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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM592
ril 1894 anbefohlene Aufstellung der Sammlung im Unteren Belvedere
endgültig verworfen.605
Bewegung kam in die Angelegenheit erst wieder, als die Bauleitung der
Neuen Burg den Abriss weiterer Teile des Augustinergangtraktes beab-
sichtigte und deshalb die Räumung der darin noch befindlichen Bestände
der Fideikommissbibliothek beantragte.606 Rund 60 große Bücherkästen
wären davon betroffen gewesen. Chertek weigerte sich jedoch, mit der
Übersiedlung in die Neue Burg zu beginnen, bevor die dort vorgesehenen
Räume vollständig hergestellt wären. Außerdem musste zuvor noch ein
detaillierter Übersiedlungsplan ausgearbeitet werden, da ansonsten ein
Durcheinander der Bestände und somit Zeitverlust und höhere Kosten bei
der Wiederaufstellung zu befürchten waren. Dieses Argument ist insofern
bemerkenswert, als es ja besagt, dass bis dato vielleicht generelle Vorstel-
lungen über die Nutzung und Einrichtung der neuen Räume bestanden,
aber kein detailliertes Konzept vorlag, das die Einzelheiten der Aufstel-
lung präzisierte und sofort hätte umgesetzt werden können. Andererseits
schien es – angesichts der ohnehin schon angespannten räumlichen Situ-
ation und wegen der hohen Staubentwicklung – auch ausgeschlossen, die
betroffenen Bestände in die noch verfügbaren Räume im Augustinergang
zu verlagern und mit der Demolierung vor der Übersiedlung zu beginnen.
Chertek teilte dies dem Obersthofmeisteramt mit und drängte darauf, dass
die für die Fideikommissbibliothek vorgesehenen Räume im Corps de logis
der Neuen Burg endlich bezugsfähig gemacht werden würden. Gleichzeitig
beauftragte er Karpf am 10. September, „den genauen Plan über die Art der
Unterbringung der Sammlungen in den neuen Localitäten an der Hand der
Zur Verfügung stehenden Planskizzen derselben genau auszuarbeiten und
zur Einsichtnahme hieher vorzulegen“ sowie „zu berichten, in welcher Weise
die mechanische Übersiedlungsarbeit durchgeführt werden will.“607
Was nun geschah, gibt angesichts der vorausgegangenen Entwicklungen
Anlass zu einigen Vermutungen. Nur zwei Wochen später, am 25. Septem-
ber, gab der Generaldirektor seinem Unmut darüber Ausdruck, „dass in der
Lösung der Frage der Übersiedlung der Familien-Fideicommiß-Bibliothek in
die neuen Räume des Hofburgflügels eine bedeutende Verwirrung dadurch
hervorgerufen wurde, dass den Organen des Hofbau-Comités bald von die-
605 Wien, HHStA, OMeA, Akten-Hauptreihe 1781–1921, Kt. 1532 (1902), R. 21/D/3: Vortrag
des Obersthofmeisters an den Kaiser mit eigenhändiger Resolution. – vgl. auch Wien,
ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 785 ex. 1902 (Vorlage des Entwurfes für den Vor-
trag) u. Z. 1131 ex. 1902 (Mitteilung der kaiserlichen Entschließung).
606 FKBA36075, fol. 13r–v: Bericht Karpfs vom 30.08.1902 (Konzept).
607 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 3186 ex. 1902; FKBA36075, fol. 20r–v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken