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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 593
sem bald von jenem Bibliotheks-Beamten Informationen ertheilt wurden,
die sehr häufig im Widerspruch zu einander standen.“608 Alle zukünftigen
Anfragen des Hofbaucomités sollten deshalb der Generaldirektion vorgelegt
und nur mit deren Genehmigung beantwortet werden. Eigenmächtiges Han-
deln war sowohl den Beamten wie auch dem Leiter der Bibliothek untersagt.
Meinungen und Vorschläge der Mitarbeiter könnten hingegen bei den in-
ternen Beratungen zur Erstellung des Übersiedlungsprogrammes geäußert
werden.609 Hier wird zwar niemand mit Namen genannt; es spricht jedoch
einiges dafür, dass Schnürer die Ursache oder zumindest der wesentlichste
Faktor beim Zustandekommen der „Verwirrung“ war: sein persönliches En-
gagement für die Errichtung eines Habsburgermuseums, seine Versuche bei
der Einrichtung der neuen Bibliotheksräume in diesem Sinne die Regie zu
übernehmen und schließlich sein Naheverhältnis zu Ohmann in dieser Be-
ziehung. In einem Brief an Karpf vom 13. September 1907, also drei Tage
nach Cherteks Befehl zur Erstellung des Übersiedlungsplanes, hat Schnü-
rer ein mit einer Grundrissskizze illustriertes Konzept zur Unterbringung
der Bibliotheksbeamten im Burggartenflügel des Corps de logis übermittelt.
Es entspricht im Hinblick auf die Unterbringung von Sammlungsbeständen
ziemlich genau dem Entwurf für die Raumeinteilung vom 2. Februar 1901.
Vor allem sei erwähnt, dass im Direktorenzimmer die „Bibliotheca Habsbur-
gica“, also der gesamte auf das Haus Habsburg im weitesten Sinne Bezug
habende Bücherbestand der Fideikommissbibliothek Aufstellung finden soll-
te.610 Vieles spricht dafür, dass Schnürer versucht hat, mit verschiedenen
Interventionen auf die Verwirklichung „seines“ Habsburgermuseums hinzu-
arbeiten, während durch nichts ersichtlich ist, ob Chertek die Idee zu diesem
Zeitpunkt überhaupt noch unterstützt hat.
Das Übersiedlungskonzept wurde am 23. Jänner 1903 vorgelegt.611 Aus-
führlich wird darin die Frage erörtert, ob man für die neuen Bibliotheks-
räumlichkeiten auch neue Bücherkästen anschaffen oder die alten wieder-
verwenden sollte.612 Für den Fall, dass man sich für die zweite Variante
entschied, musste außerdem geklärt werden, ob die Kästen in der Reihen-
folge ihrer vorherigen Aufstellung anzuordnen wären oder nicht. Grundle-
gend für diese Problematik war der Umstand, dass die Signatur jedes Bu-
608 FKBA36075, fol. 24r.
609 FKBA36075, fol. 24v–25r.
610 FKBA36075, fol. 22r–v; Aus dem Wortlaut des Briefes scheint indes hervorzugehen, dass
Karpf Schnürer lediglich über dessen Wünsche zur Einrichtung seines Büros befragt hatte.
611 FKBA36075, fol. 46; Das Konzept selbst (ebenda, fol. 26–37) ist mit Dezember 1902 datiert
und von Karpf und Emanuel Fischer unterschrieben, der als Ingenieur im Hofbaudeparte-
ment dem Bibliotheksleiter offenbar als Berater in baulichen Fragen zugeordnet war.
612 FKBA36075, fol. 27r–30r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken