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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 603
gereinigt werden und dafür wäre zusätzliches Personal notwendig. Auch
Schnürer drängte nun, „bei den kompetenten Faktoren darauf hinzuwir-
ken, daß der Bibliothek […] oberirdisch gelegene Ubikationen […] zugewie-
sen werden.“638
In der Generaldirektion reagierte man auf die Meldung vom Besuch
Franz Ferdinands ein wenig unschlüssig. Erwogen wurde, ob man sich di-
rekt an den Thronfolger wenden sollte, um dessen Intervention in Bezug auf
die Überlassung neuer Räumlichkeiten für die Fideikommissbibliothek zu
erwirken, oder ob man zunächst mit der Burgbaukommission Kontakt in
dieser Angelegenheit aufnehmen sollte. Letztere hatte sich bis zum 14. Mai
1906 konstituiert und stand nach der Demission Friedrich Ohmanns seit
27. Februar 1907 unter der Leitung des Oberbaurates Ludwig Baumann.639
Am 20. März berichtete Schnürer mündlich, dass ein Mitglied aus diesem
Gremium „Aufnahmen der Räumlichkeiten der Bibliothek und ihrer Be-
stände in Absicht auf Zuweisung neuer Räume gemacht habe.“ In diesem
Moment entschied sich Chertek schließlich dafür, ein offizielles Ansuchen
an den Thronfolger zu richten. Aus einem vom 3. April datierenden Refe-
ratsbogen geht aber gleichzeitig hervor, dass Franz Ferdinand bereits „in
dem aus anderem Anlasse anberaumten Empfange vom 6/1 1907 spontan
die diesbezügliche huldvolle Geneigtheit zu erkennen zu geben geruht“
hatte.
Am 9. April bestätigte denn auch der Kammervorsteher Franz Ferdi-
nands, Freiherr von Rumerskirch, dass „Seine k. u. k. Hoheit bereits aus
eigener Initiative in der letzten Sitzung, welche sich mit Angelegenheiten
des Hofburgbaues beschäftigte, definitiv zu bestimmen [geruhten], dass die
ganze Bibliothek an einen anderen Ort (höheres Stockwerk) verlegt wird.“640
Am gleichen Tag teilte Schnürer mit, dass er eingeladen worden wäre, an
einer „im Sitzungssaale des Bauleitungsgebäudes stattfindenden vorberei-
tenden Besprechung, betreffend die Eintheilung des für Museumszwecke
bestimmten ‚Corps de logis‘-Traktes der neuen Hofburg teilzunehmen.“
Schnürer bat die Generaldirektion zu diesem Zweck, dass „Wünsche und In-
struktionen gütigst bekannt gegeben werden.“ Die Reaktion ist insofern be-
merkenswert, als sie dem Bibliotheksleiter im Allgemeinen freie Hand ließ,
„vorbehaltlich der h. a. Zustimmung Erklärungen abzugeben“.641 Lediglich
im Hinblick auf die Wahl des Standortes für die Fideikommissbibliothek äu-
ßerte Generaldirektor Chertek den Wunsch, dass sie im Mezzanin des Corps
638 FKBA37159.
639 Siehe Nierhaus, Burgbaukommssion u. Nierhaus, Demission Ohmanns.
640 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1499 ex. 1907.
641 FKBA37204, fol. 1r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken